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Kommentar : Wolkenkuckucksheim

Morde aus „Ehre“ kann die deutsche Justiz nicht akzeptieren. Es ist bezeichnend, dass die Täter oft nicht im Affekt handeln, sondern den vorschicken, der unter das Jugendstrafrecht fällt.

          Es gibt zweifellos verschiedene Milieus in Deutschland. Vielleicht sind es auch Welten, die manche Bevölkerungsgruppen voneinander trennen. Sie alle eint, dass sie in diesem Land leben (wollen), aber nicht alle erkennen es als ihr eigenes Land an. Dabei ist eine solche Identifizierung noch wichtiger als eine gute Beherrschung der Sprache.

          Verlangt wird ja nicht eine Imitation des amerikanischen Fahneneides, sondern zumindest ein aufrichtiges Bekenntnis zu den Grundregeln dieses Landes. Die geben Raum dafür, dass jeder nach seiner Fasson selig werden kann. Es ist eine Herausforderung für den freiheitlichen Rechtsstaat, das immer wieder deutlich zu machen, gerade weil es Milieus gibt, die sich nicht nur abkapseln (was ihr Recht ist), sondern sich auch der hiesigen Rechtsordnung entziehen. Das ist nicht zu akzeptieren, und zwar nicht nur, wenn es um Terrorismus geht.

          Auch Zwangsverheiratung, Blutrache und Selbstjustiz sind eingeschleppte Phänomene, die nicht zu dulden sind. Bei jedem Täter sind die persönlichen Umstände zu berücksichtigen, so archaisch sie sein mögen. Aber Morde aus „Ehre“ kann die deutsche Justiz eben nicht anerkennen. Es ist bezeichnend, dass die Täter oft nicht aus dem Affekt heraus handeln, sondern den vorschicken, der unter das deutsche Jugendstrafrecht fällt.

          Bezeichnend auch, dass es offenbar einen Konsens von der Polizei bis zu manchen Medien gibt, alles Mögliche zu berichten, aber über die Herkunft der Täter zu schweigen. Wohl auch, weil sie oft zugleich auch die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Auch so kann man sich Probleme aus der Welt schaffen. Willkommen im Wolkenkuckucksheim!

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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