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Kommentar zum Parkplatzurteil : Sind Frauenparkplätze diskriminierend?

Ein Parkplatz nur Frauen – diskriminiert das Männer? (Archivbild) Bild: dpa

Ein Mann hat die Stadt Eichstätt verklagt, weil sie Frauenparkplätze ausgewiesen hat. Er fühlt sich dadurch benachteiligt. Nun hat man sich auf neue Schilder geeinigt. Sind Frauenparkplätze wirklich diskriminierend?

          Die Einrichtung von Frauenparkplätzen soll das Sicherheitsgefühl von Frauen verbessern. In Eichstätt wurden Parkplätze auf einem öffentlichen Park-and-Ride-Parkplatz zu Frauenparkplätzen erklärt. Dagegen hat ein Mann geklagt, der sich dadurch diskriminiert fühlt. Er sagt, dass auch Frauen dadurch diskriminiert würden, weil sie so als „schwach“ dargestellt würden. Die Stadt Eichstätt und der Kläger haben sich nun darauf geeinigt, dass die Schilder erneuert werden und eindeutiger darauf hinweisen, dass es sich um eine Empfehlung, nicht um eine Vorschrift handelt.

          Auf die Frage der Diskriminierung ging das Gericht derweil nicht ein. Dabei hat die Stadt Eichstätt die Frauenparkplätze nicht einfach so eingerichtet. Eine Frau war 2016 in der Nähe des Parkplatzes Opfer eines Gewaltdelikts geworden, sie wurde vergewaltigt. Daraus zog die Stadt Konsequenzen. Etwa 14 Prozent der insgesamt 420 Parkplätze wurden als Frauenparkplätze ausgewiesen, da sie in der Regel besser beleuchtet und nicht so abgelegen sind. Die Frauenparkplätze sind nur dafür da, dass Frauen sich wohler, sicherer fühlen. Sollten Männer dort parken, werden sie weder abgeschleppt noch erhalten sie einen Strafzettel – einem Auto sieht man ja auch nicht an, ob es von einer Frau oder einem Mann geparkt wurde.

          Mit dem Sicherheitsgefühl ist es indes so eine Sache. In meinem Heimatort gibt es mitten in der Stadt eine große, vielbefahrene Straße, dort wurde vor vielen Jahren früh an einem Sonntagmorgen, einfach so, auf dem Bürgersteig, eine Frau vergewaltigt. Warum ich mich daran erinnere? Meine Mutter las mir davon aus der Zeitung vor, und ich habe es nie wieder vergessen. Jeden Tag bin ich diese Straße mit dem Rad entlang gefahren, das war mein Schulweg. Angst hatte ich dort vorher nie gehabt. Doch dieser Schrecken, dass es einer Frau an einem solch öffentlichen, leicht zugänglichen Ort passieren konnte, überfallen zu werden, saß tief. Fortan fuhr ich also oft Umwege, radelte zumindest aber immer auf der anderen Straßenseite. Ich bin mir sicher, dass es auch Gegenden gibt, die das allgemeine Unsicherheitsgefühl von Männern begünstigen. Die Unsicherheit bei Frauen sitzt aber oft viel tiefer, auch weil sie uns anerzogen wird. Und, das bestätigte unlängst die Kriminalstatistik, Gewalt gegen Frauen geht häufig von Männern aus. Auch wenn es sich hierbei oft um Bekannte, Freunde, Partner oder Ex-Partner handelt, also nicht immer um den fremden Mann, der uns auf der Straße überfällt, macht das etwas mit uns Frauen. Die anerzogene Unsicherheit, die diffuse Angst, mit der ich damals meinen Schulweg antrat, war eine Angst vor Männern. Nicht vor allen Männern. Aber eben vor solchen, die Frauen oder Mädchen Gewalt antun.

          Von anderen Sicherheitsmaßnahmen sind ja auch alle betroffen

          Eine andere Sache sind freilich die sogenannten Mutter-Kind-Parkplätze. Die sind häufig breiter, damit mehr Platz zum Ein- und Auspacken des Kinderwagens ist. Man könnte es nun als diskriminierend empfinden, dass es keine Vater-Kind-Parkplätze gibt. Wahrscheinlich aber ist auf jedem Mutter-Kind-Parkplatz auch ein Vater mit seinen Kindern, den Einkäufen und dem Kinderwagen willkommen.

          Es mag ja stimmen, dass Frauenparkplätze eine faktische Ungleichbehandlung von Männern gegenüber Frauen bedeuten. Und ja, es sind auch Männer von solchen Vorkehrungen betroffen, die niemals irgendjemandem etwas antun würden. Aber von anderen Sicherheitsmaßnahmen sind schließlich auch alle betroffen. Bei der Sicherheitskontrolle im Flughafen müssen alle Passagiere ihre Tasche auf das Band beim Sicherheitscheck legen. Genauso wie übrigens fast alle Frauen von dem Gefühl der Unsicherheit betroffen sind, wenn sie in der Dunkelheit auf abgelegenen Parkplätzen nach dem Autoschlüssel kramen. Wenn wir aber schon beim Thema Behandlung sind, dann sollten sich auch einige Männer dieses Stichwort zu Herzen nehmen. Wenn nämlich alle Männer Frauen von vornherein so behandeln, wie es sich gehört – sie nicht auf Parkplätzen überfallen, nur so als Beispiel – dann bräuchten wir auch keine Frauenparkplätze. Dann könnten Frauen sich auch in dunklen Parkhäusern und abgelegenen Parks frei bewegen, ohne den Schlüssel schon mit zitternder Hand kampfbereit in der Jackentasche zu umklammern. Dann würden Frauen sich auch bestimmt nicht „schwach“ fühlen. Dann wären sie frei.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

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