https://www.faz.net/-gum-agy29

Kleinkind erschoss Mutter : Geladene Waffe in der Kindertasche

  • -Aktualisiert am

Die „March for our lives“-Bewegung fordert strengere Waffengesetze. (Archivbild) Bild: AFP

Zwei Monate nach dem tödlichen Schuss eines Kleinkindes auf seine Mutter ist der Vater in Florida verhaftet worden. Er soll die geladene Waffe unzureichend gesichert in einem Kinderrucksack aufbewahrt haben.

          2 Min.

          Für den Staats­anwalt war es kein Unfall, sondern ein Verbrechen: Zwei Monate nach dem tödlichen Schuss eines Kleinkindes auf seine Mutter ist Veondre Avery, der Vater des zwei Jahre alten Schützen, verhaftet worden. Die Ankläger des Bezirks Seminole im amerikanischen Bundesstaat Florida werfen dem Zweiundzwanzigjährigen Totschlag und das ungenügende Sichern einer Waffe vor.

          Avery soll die geladene Waffe, mit der seine Lebensgefährtin Mitte August erschossen wurde, in einem Kinderrucksack auf dem Boden ­seines Schlafzimmers aufbewahrt haben. Der Fall hatte die Vereinigten Staaten nicht nur wegen des Alters des Schützen erschüttert. Auch die Umstände des Unglücks lösten Bestürzung aus. Das Kleinkind hatte seine Mutter Shamaya Lynn während eines Videoanrufs mit einem Kopfschuss niedergestreckt. Wie die Gesprächspartner der Einund­zwanzigjährigen bei der Polizei in Altamonte Springs zu Protokoll gaben, tauchte der Junge unerwartet hinter seiner Mutter auf. Es folgte ein lautes Geräusch, bevor Lynn vom Bildschirm verschwand.

          Als die Beamten nach dem Notruf eines ihrer Kollegen das Haus betraten, fanden sie Avery, der vergeblich versuchte, die Mutter seiner beiden Kinder wiederzubeleben. Während des Schusses soll der Zweiundzwanzigjährige nicht zu Hause gewesen sein. „Jede Entscheidung hat Folgen, und die Entscheidung, eine geladene Waffe so aufzubewahren, war keine gute. Als Besitzer einer Waffe trägt man die Verantwortung, sich angemessen um sie zu kümmern“, sagte der Polizeibeamte Roberto Ruiz bei Averys Verhaftung am Mittwoch.

          Täglich werden acht junge Amerikaner verletzt oder getötet

          Die Anklage gegen den Zwei­undzwanzigjährigen befeuert in Amerika auch die Debatte über ­Waffen in Kinderhänden. Laut dem Brady Center to Prevent Gun Vio­lence leben mehr als 4,5 Millionen minderjährige Amerikaner mit ungesicherten Pistolen, Revolvern und Gewehren. Jeden Tag, so die Organisation mit Sitz in Washington, werden durchschnittlich acht meist junge Amerikaner durch sogenanntes Family Fire verletzt oder getötet.

          Um versehentliche Schüsse im eigenen Zuhause zu verhindern, haben etwa 30 Bundesstaaten in den vergangenen Jahren Gesetze gegen den Zugriff auf Waffen für Kinder verabschiedet. Die Regelungen in Bundesstaaten wie Kalifornien, Maryland und Minnesota stellen die nicht ordnungsgemäße Aufbe­wahrung in verschlossenen Schränken unter Strafe. Auch in Florida, wo Averys zwei Jahre alter Sohn im August seine Mutter erschoss, müssen sich Waffenhalter juristisch verantworten, wenn sie Pistole, Revolver oder Gewehr so aufbewahren, dass Kinder und Jugendliche auf sie zugreifen können. Den Zweiundzwanzigjährigen erwartet am 23. November die erste Anhörung vor Gericht. Nach der Anklage wegen Totschlags drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Der Zweijährige und sein Bruder wurden bei Verwandten untergebracht.

          Weitere Themen

          Braun: „Wir brauchen jetzt eine Notbremse“

          Corona-Liveblog : Braun: „Wir brauchen jetzt eine Notbremse“

          Biontech liefert früher Vakzin-Nachschub +++ Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte in Mecklenburg-Vorpommern +++ Länder für Impfungen in Apotheken und Zahnarztpraxen +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.

          Topmeldungen

          Gegenwind: Der amerikanische Präsident Joe Biden am  28. November am Flughafen von Nantucket

          Nord Stream 2 : Platzt der deutsch-amerikanische Deal?

          Im Senat kämpfen einige Republikaner für neue Sanktionen gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Sie wollen Präsident Joe Biden die Möglichkeit nehmen, Ausnahmen zu erteilen. Doch Berlin versucht zu überzeugen.

          Atomabkommen mit Iran : Zweifel an Teherans Beteuerungen

          In Wien beginnt eine neue Verhandlungsrunde um eine Neuauflage des Atomabkommens mit Iran. Die beteiligten Staaten reagieren auf Beteuerungen Teherans äußerst skeptisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.