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Sicherheitsverwahrung : Kindesmörder Silvio S. wieder vor Gericht

In Handschellen steht Silvio S. im Verhandlungssaal des Landgerichts Potsdam. Bild: dpa

Silvio S. stand vor drei Jahren vor Gericht, weil er zwei kleine Jungen sexuell missbraucht und getötet hatte. Nun steht er abermals vor Gericht. Grund ist eine Forderung der Staatsanwaltschaft.

          Vor knapp drei Jahren wurde Silvio S. verurteilt. Der heute 35 Jahre alte Mann wurde für schuldig befunden, zwei kleine Jungen sexuell missbraucht und getötet zu haben. Den damals sechs Jahre alten Elias S. hatte er im Juli 2015 von einem Spielplatz in Potsdam entführt. Drei Monate später lockte er den vier Jahre alten Mohammed, Sohn einer bosnischen Asylbewerberin, auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Berlin-Moabit in sein Auto, als dessen Mutter in einer Schlange anstand. Die Leichen der Jungen vergrub der gelernte Fliesenleger, der als Wachmann im Nachtdienst arbeitete, in einer Kleingartenparzelle in Luckenwalde, wo er eine Gartenlaube gemietet hatte. Der Prozess sorgte damals für Entsetzen, weil Silvio S. bei seinen Taten extrem grausam vorgegangen war.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Am Freitag stand Silvio S., der zur Zeit in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel seine Strafe verbüßt, wieder vor Gericht. Zwar war er 2016 wegen Mordes und Kindesmissbrauchs zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte auch die besondere Schwere seiner Schuld fest, was eine Entlassung nach 15 Jahren unmöglich macht. Doch die Sicherheitsverwahrung, die Staatsanwaltschaft Peter Petersen für den Täter gefordert hatte, lehnte das Gericht damals ab. Eine sichere Prognose über die zukünftige Gefährlichkeit von Silvio S. habe sich nicht feststellen lassen, befand die Kammer.

          Moralisch und emotional „verwildert“

          Eine Sicherheitsverwahrung sorgt dafür, dass ein Täter, der als Gefahr für die Allgemeinheit gilt, auch nach Verbüßung seiner Strafe nicht freikommt. Die Staatsanwaltschaft legte Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein und hatte Erfolg damit. Die menschenverachtende Weise, in der Silvio S. die Morde begangen habe, sei nicht ausreichend gewichtet worden.

          Das Potsdamer Landgericht muss deshalb jetzt noch einmal darüber befinden, ob Silvio S. den Hang besitzt, abermals schwere Straftaten zu begehen. Wiederum ist der forensische Gutachter, der Psychiater Matthias Lammel, als Zeuge geladen, der schon im ersten Prozess das Gutachten angefertigt hatte. Er hatte dem zweifachen Mörder eine Persönlichkeitsstörung attestiert; der sozial isolierte Täter sei moralisch und emotional „verwildert“ gewesen. Er habe sich Kinder als Opfer ausgesucht, weil die für ihn leichter beherrschbar gewesen seien.

          Der Prozess wurde am Freitag zunächst wegen eines Befangenheitsantrags der Verteidigung unterbrochen. Rechtsanwalt Mathias Noll begründete den Antrag damit, dass der Vorsitzende Richter Klaus Feldmann einem Schmerzensgeldantrag der Mutter von Elias in einem Hinweis Aussicht auf Erfolg bescheinigt hatte. Der Antrag der Verteidigung wurde vom Gericht abgelehnt, weil Feldmann sich nur auf Wertungen aus dem ersten Prozess bezogen und keine eigene Wertung abgegeben habe. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt.

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