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Kindesmißbrauch : Jackson-Ermittler prüfen Verdacht auf weitere Fälle

  • Aktualisiert am

Die Ermittler im Michael-Jackson-Fall halten inzwischen ungefähr 100 Hinweise auf weitere Fälle von Kindesmißbrauch für ernstzunehmen. Derweil versuchen Jacksons Anwälte, Zeugen der Anklage zu diskreditieren.

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          Die Ermittler im Michael-Jackson-Fall gehen inzwischen zahlreichen Angaben über mögliche sexuelle Belästigungen weiterer Kinder durch den Pop-Star nach. Ungefähr 100 Hinweise seien von der Staatsanwaltschaft in Santa Barbara (Kalifornien) als ernstzunehmen eingestuft worden, berichtete am Dienstag die „New York Post“. Derweil gehen Jacksons Anwälte in die Offensive und versuchen, Zeugen der Anklage zu diskreditieren.

          Staatsanwalt Thomas Sneddon hatte die Öffentlichkeit am vergangenen Mittwoch bei der Bekanntgabe des Mißbrauchsverdachts gegen Jackson in einem Fall um Hinweise auf sexuelle Belästigungen weiterer Kinder gebeten. Insgesamt seien dort tausende Anrufe eingegangen, berichtete die Zeitung. Mit der formellen Anklageerhebung gegen Jackson, der gegen eine Kaution von drei Millionen Dollar (2,55 Millionen Euro) auf freiem Fuß ist, wird kurz vor Weihnachten gerechnet.

          Verteidiger heuern Privatdetektiv an

          Jacksons Verteidiger haben den umstrittenen Privatdetektiv Zvonko „Bill“ Pavelic angeheuert, der belastendes Material über Zeugen der Anklage besorgen soll. Die Anwälte wollen den Vorwurf des Kindesmißbrauchs gegen den Pop-Star laut amerikanischen Medienberichten vor allem dadurch entkräften, daß sie die Mutter des in den Fall verwickelten zwölfjährigen Jungen verunglimpfen. Die Frau solle als geldgierige Drogensüchtige dargestellt werden, berichtete der Fernsehsender Fox.

          Außerdem planten „Jackos“ Anwälte eine „massive Attacke“ gegen Staatsanwalt Tom Sneddon, der die Ermittlungen gegen den Sänger leitet. Sie wollen nachweisen, daß der Staatsanwalt Jackson schon seit Jahren aus persönlichen Motiven verfolgt und ihn damit als befangen darstellen. Mit einer „Verleumdungskampagne“ sei zu rechnen, berichtete der Sender NBC.

          Pavelic schon von O.J. Simpson engagiert

          Pavelic, ein ehemaliger Kriminalbeamter bei der Polizei von Los Angeles, habe bereits früher für Jacksons Anwalt Mark Geragos gearbeitet. Der Privatdetektiv spielte laut NBC im Mordprozeß gegen den einstigen Footballstar O.J. Simpson eine unrühmliche Rolle, indem er Zeugen beeinflußte.

          Nach Angaben des Magazins „Newsweek“ haben Beauftragte Jacksons bereits im Frühjahr der Familie des Jungen, der ihn später vor Ermittlern der sexuellen Belästigung beschuldigte, Unterstützung bei der Übersiedlung in ein lateinamerikanisches Land angeboten. Für die Mutter und deren drei Kinder hätten Jacksons Leute sogar die Pässe besorgt. „Die haben versucht, sie zu verstecken“, zitiert das Magazin am Dienstag in seiner neuen Ausgabe einen nicht näher bezeichneten „Freund“ der Familie.

          „Nichts mit Sex zu tun“

          Der Versuch, die Frau und ihre Kinder außer Landes zu bringen, wurde laut „Newsweek“ unternommen, nachdem der Junge im Februar durch einen britischen Dokumentarfilm bekannt geworden war. Darin sei er Hand in Hand mit Jackson erschienen und habe berichtet, daß er und auch sein Bruder in Jacksons Bett übernachtet hätten. Jackson und der Junge berichteten in dem Film, daß die Übernachtungen nichts mit Sex zu tun hätten.

          Nach Angaben von „Newsweek“ war der Junge durch den Kabarettclub-Besitzer Jamie Masada mit Jackson zusammen gebracht worden. Masada unterstützt ein Sommerlager für Kinder von armen Familien. Er habe dem Jungen, der unter einer Krebserkrankung litt, Mut machen wollen, berichtete Masada nach Angaben des Magazins. Als Preis dafür, daß er richtig esse und mutig gegen die Krankheit kämpfe, habe er ihm Begegnungen mit Stars in Aussicht gestellt.

          Wunsch des Kindes erfüllt

          Das Kind, das die Krebserkrankung später überwand, habe sich die Komödianten Chris Tucker und Adam Sandler sowie Michael Jackson gewünscht. Die Begegnungen mit Tucker und Sandler habe er leicht vermitteln können, berichtete Masada. Um Jackson habe er sich sehr lange bemühen müssen, ehe der Junge auf dessen Neverland-Ranch eingeladen wurde, sagte Masada „Newsweek“.

          Nach Angaben der Zeitung „New York Daily News“ bereut Masada inzwischen, daß er das Kind mit Jackson zusammenbrachte. Die Mutter habe ihm am Telefon heftige Vorwürfe gemacht. Er habe ihr geantwortet: „Was hätten Sie denn gemacht, wenn Sie einen Jungen sehen, der vielleicht nur noch drei oder vier Wochen zu leben hat und sich wünscht, einmal Michael Jackson zu begegnen?“

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