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Kinderpornographie : FBI bringt Licht ins „Darknet“

  • -Aktualisiert am

„Tor“ galt bislang als sicher, doch jetzt verschreckt das FBI die Nutzer des Netzwerks Bild: dpa

In Irland wird ein mutmaßlicher Verbreiter von Kinderpornos festgesetzt. Die zu seiner Ergreifung führenden Hinweise stammen aus dem Netzwerk „Tor“, das eigentlich Anonymität technisch garantieren soll.

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          Eric Eoin Marques sitzt in Irland in Untersuchungshaft und wartet auf seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten. Der 28 Jahre alte Mann mit irischem und amerikanischem Pass gilt dem FBI nach als „der größte Vertreiber von Kinderpornografie auf dem Planeten“. Ein Jahr lang hatte die amerikanische Bundespolizei Marques gesucht, der entscheidende Schlag gelang am Wochenende über das Online-Netzwerk „Tor“ (The Onion Router). 

          Das aus der Militärforschung hervorgegangene Tor-Projekt verspricht Anonymität auf technischem Weg: Es stellt keine direkten Verbindungen zwischen Nutzern und Servern her. Anfragen laufen auf zufällig gewählten Wegen durch das Netzwerk, ihr Absender bleibt unbekannt. Tor galt bislang als relativ sicher, deshalb zieht es viele Nutzer in seine verschlüsselte Welt. In deren Schatten tauschen sich etwa Journalisten und Informanten aus, die Enthüllungsplattform „Wikileaks“ und der „New Yorker“ sind prominente Nutzer. Tor wird aber auch von vielen kriminellen Organisationen als Deckmantel genutzt und deswegen als „Darknet“ bezeichnet.

          Dem FBI gelang es nun, über eine Schwachstelle auf Server der Firma „Tor Freedom Hosting“ zuzugreifen, die Marques gegründet hatte. Dort plazierten die Fahnder eine kleine Software, die die Internet-Aktivitäten erfasste und ihnen zuspielte, sofern die Surfer Windows und eine alte Version des Browsers „Firefox“ nutzten. Die kinderpornografischen Inhalte und ihre Besitzer kamen ans Licht, wenig später ging „Freedom Hosting“ vom Netz – und mit ihm viele weitere Tor-Seiten, die mit den illegalen Aktivitäten nichts zu tun hatten.

          Blogger diskutieren Fahndungsmethoden

          Die Meldung führte zu einer angeregten Diskussion in Blogs und auf Twitter über die generelle Sicherheit des Tor-Netzes. Meldungen kursierten, die Hälfte aller Tor-Adressen sei von dem Server-Ausfall betroffen. Netzsicherheitsforscher nahmen die von den Fahndern plazierte Software unter die Lupe und fanden heraus, dass die ausgelesenen Daten an eine IP-Adresse in Arlington, Virginia, geschickt wurden. Sie gehört mutmaßlich zum Militärgeheimdienst NSA, was wiederum Blogger empört, hysterisch oder resigniert reagieren ließ.

          Letzteres etwa tat der Blogger Felix von Leitner. Er nahm den Marques-Vorfall zum Anlass, Tor im Allgemeinen abzuschreiben: „Tor ist tot.“ Das Konzept der Anonymität basiere bei Tor auf der Annahme, „dass der Gegner nicht in der Lage ist, das gesamte Internet zu überwachen.“ Dazu seien totale Überwachungssysteme wie das der NSA aber in der Lage - und wer Tors gesamten Datenverkehr ausspähen könne, der könne diesen auch bestimmten Nutzern zuordnen.

          Von Leitner fordert seine Leser dennoch auf, Tor vermehrt zu nutzen, um das Netzwerk schwerer ausrechenbar zu machen. Das Problem der „totalen Schnüffelei“ der Regierungen sieht der Blogger aber als technisch und somit durch Tor nicht lösbar.

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