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Kindermordprozeß : Hoffmann wollte als schuldunfähig eingestuft werden

  • Aktualisiert am

Gibt seinen Opfern eine Mitschuld an seinen Taten: Marc Hoffmann Bild: ddp

Der geständige Mörder der Kinder Levke und Felix wollte erreichen, daß er als nicht schuldfähig eingestuft wird. Dann wäre er möglicherweise mit drei Jahren Therapie in einer Klinik davongekommen.

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          Der mutmaßliche Kindesmörder Marc Hoffmann hat nach Angaben des psychiatrischen Gutachters Norbert Leygraf versucht, mit „zweckgerichteten Angaben“ eine Einstufung als schuldunfähig zu erreichen. Hoffmanns Ziel sei gewesen, in die Psychiatrie zu kommen und nach drei Jahren Behandlung entlassen zu werden, sagte Leygraf
          am Mittwoch vor dem Landgericht in Stade, wo sich Hoffmann wegen der Morde an den Kindern Levke und Felix verantworten muß. Der Gutachter hält Hoffmann für voll schuldfähig.

          Leygraf berichtete weiter, er habe den Vorstellungen des Angeklagten widersprochen. Danach habe Hoffmann erklärt: „Dann war alles umsonst,
          was ich Ihnen erzählt habe. Dann haben Sie mich nicht verstanden.“ Die Frage, ob der mutmaßliche Kindermörder schuldfähig ist oder nicht, ist wesentlich für das Strafmaß. Sollte er wegen Mordes verurteilt werden, droht Hoffmann eine lebenslange Haft. Leygraf, Professor in Essen, hat bei dem Angeklagten weder sexuellen Abartigkeiten noch spezifische Krankheitsbilder erkannt. Weder seine Steuerungsfähigkeit noch sein Urteilsvermögen seien eingeschränkt.

          Hoffmann gibt seinen Opfern Mitschuld

          Die Gespräche des Gutachters mit Hoffmann hatten der Aussage zufolge rund 13 Stunden angedauert. Leygraf berichtete, Hoffmann habe in Gesprächen mit ihm seinen Opfern eine Mitschuld an den Verbrechen gegeben. Levke und Felix hätten, nachdem sie in seinem Auto saßen, kaum etwas gesagt und keinen Widerstand geleistet. Er sei daher nicht von dem Gedanken weggekommen, sie zu mißbrauchen. Er selbst habe sich wie in Trance befunden und nicht unter Kontrolle gehabt.

          Der 31 Jahre alte geständige Mörder hat laut Leygraf in den Gesprächen angegeben, er habe nach dem sexuellen Mißbrauch der Kinder spontan entschieden, sie zu töten. Bei Levke sei es wie ein Reflex gewesen. Im Fall von Felix habe Hoffmann unterschiedliche Aussagen gemacht. Zunächst habe er gesagt, er habe den Jungen aus Angst getötet, weil er gedacht habe: „Wenn das heraus kommt, verliere ich alles.“ Später habe er ausgesagt, das Verbrechen sei wie ihm Wahn geschehen. Er habe an gar nichts gedacht.

          Öffentlichkeit zeitweise ausgeschlossen

          Auf Beschluß des Gerichts sagte der Psychiater am Mittwoch nur zu Angaben Hoffmanns über die Morde an den Kindern Levke und Felix sowie über den schulischen und beruflichen Werdegang des Angeklagten öffentlich aus. Die Verhandlung wurde nach rund 70 Minuten unter Ausschluß der Öffentlichkeit fortgesetzt, um Persönlichkeitsrechte des Angeklagten zu schützen.

          Hoffmann muß sich seit dem 9. Mai wegen schweren sexuellen Mißbrauchs und Ermordung der achtjährigen Kinder aus Cuxhaven und aus Neu Ebersdorf im Landkreis Rotenburg/Wümme verantworten. Zum Prozeßauftakt hatte er über eine Erklärung seiner Verteidiger die Taten gestanden. Der psychiatrische Gutachter stand als letzter Zeuge auf der Liste. Damit ist die Beweisaufnahme voraussichtlich abgeschlossen.

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