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Großfahndung : Kindermörder von Herne hat weitere Tat angedeutet

Nach der Ermordung eines neunjährigen Jungen in Herne spricht die Polizei von einer Großlage. Bild: dpa

Die Polizei prüft Hinweise auf eine weitere Gewalttat des flüchtigen Kindsmord-Verdächtigen von Herne. Er soll sich in einem Internet-Chat mit einer zweiten Tat gebrüstet haben.

          Es sind furchtbare Aufnahmen, die Marcel H. offenbar selbst im Internet hochlud: Der 19 Jahre alte Jugendliche ist mit blutverschmierten Händen neben dem Leichnam eines neun Jahre alten Nachbarsjungen zu sehen. Marcel H. ist dringend verdächtig, das Kind am Montagabend im Keller eines Reihenhauses in einer Arbeitersiedlung der Ruhrgebietsstadt Herne mit mehreren Messerstichen ermordet zu haben.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          H. veröffentlichte die Bilder nach Erkenntnissen der Ermittler zunächst im sogenannten Darknet, einem abgeschotteten Teil des Internets, das beispielsweise politisch Verfolgte in Diktaturen, Journalisten oder Menschenrechtsorganisationen benutzen – aber auch Kriminelle, um dort weitgehend anonym Waffen- und Rauschgiftgeschäfte abzuwickeln. Anders als im gewöhnlichen Internet, wird im „dunklen Netz“ sämtlicher Datenverkehr grundsätzlich verschlüsselt; für den Zugang wird ein Anonymisierungsprogramm benötigt, die Webseiten können von gängigen Suchmaschinen nicht gefunden werden.

          Gleichwohl entdeckte ein offenbar mit den technischen Gegebenheiten bestens vertrauter Internet-Nutzer am Montagabend die grausigen Bilder und sah wie H. mit seiner Tat prahlt. Umgehend teilte der Darknet-Nutzer der Polizei mit, dass er den jungen Mann mit den blutverschmierten Händen und den mutmaßlichen Tatort kenne. Wenig später entdeckten Kriminalbeamte dann tatsächlich den Leichnam des Kindes in dem angegebenen Haus.

          Der Film macht auch die Ermittler fassungslos

          Am Dienstag tauchten Aufnahmen der Tat dann auch im für jedermann zugänglichen Internet auf. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) rief dazu auf, die Bilder nicht weiterzuverbreiten. Sie machte auch die Ermittler fassungslos, sagte Jäger. Er könne sich an keinen Fall erinnern, bei dem der Täter „den Mord filmt und veröffentlicht“. Das sei für die Angehörigen besonders perfide.

          Das von der Polizei Bochum zur Verfügung gestellte Fahndungsfoto zeigt den dringend tatverdächtigen 19-jährigen Mann aus Herne.

          Noch am Montagabend begann eine großangelegte Fahndung mit Hubschraubern und Spürhunden nach dem mutmaßlichen Mörder, der sehr schlank ist, kurzgeschorene blonde Haare hat und vermutlich Tarnkleidung trägt. Die Polizei warnte, H. sei zwar ein zurückhaltender, eher schüchterner Typ, er sei jedoch als äußerst gefährlich einzuschätzen, weil er im Internet auch angedeutet hatte, möglicherweise weitere Taten begehen zu wollen. H. befinde sich in einer psychischen Ausnahmesituation, sei völlig unberechenbar und möglicherweise bewaffnet. Bei einer Begegnung sollten ihn Zeugen keinesfalls ansprechen, sondern umgehend den Notruf wählen.

          Ein Chat soll Hinweise auf das Tatmotiv geben

          Der junge Mann soll Kampfsport betrieben, ansonsten aber nur wenige soziale Kontakte gehabt haben. Er soll als Außenseiter bekannt gewesen sein. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat der arbeitslose Marcel H. zuletzt alleine in dem Reihenhaus in dem Herner Arbeiterviertel gelebt. Nach Angaben der Polizei stand ein Umzug des mutmaßlichen Täters aber demnächst an; seine Eltern seien schon nicht mehr unter der Adresse gemeldet gewesen.

          Was den bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen Marcel H. zu dem Mord an dem Nachbarsjungen getrieben haben könnte, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht mitteilen. Erste Hinweise ergeben sich aber offenbar aus einem Chat, den H. vor und nach seiner Tat mit einer unbekannten Person im Darknet führte.

          Die „Bild-Zeitung“ zitierte aus dem Chat-Protokoll. Zunächst kündigte H. demnach an, „was Knastwürdiges“ tun zu wollen. Nach einer Chat-Pause von 31 Minuten – in der H. vermutlich das Kind ermordete – brüstete er sich dann der grausamen Tat. Und zuletzt deutete er dann eben auch an, er könne sich vorstellen, einen weiteren Mord zu begehen. Mittlerweile prüft die Polizei Hinweise auf eine weitere Gewalttat, mit der sich H. brüstet. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich dabei um eine Falschmeldung handele, erklärte die Polizei. „Aber die Gefahrenlage macht es nötig, das ernst zu nehmen."

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