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Die Hilfe kommt: Bei dem Angriff auf den Kindergarten wurden 52 Personen verletzt und brauchten ärztliche Hilfe (Symbolbild) Bild: dpa

Kindergarten in China : Angreifer verätzt 51 Kinder

Ein Mann hat Dutzende Kinder und Erzieher in einem chinesischen Kindergarten mit Lauge verletzt. Solche Fälle sind in China nicht selten, werden aber von Staat und Medien meist totgeschwiegen.

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          In der chinesischen Provinz Yunnan hat ein 23 Jahre alter Mann einen Kindergarten angegriffen und 51 Kinder sowie drei Erzieher mit Natronlauge verätzt. Als Motiv nannten die Behörden der Stadt Kaiyuan am Dienstag „Rache an der Gesellschaft“. Der mutmaßliche Täter, ein Mann namens Kong, sei noch am Tatort festgenommen worden. Die Ermittlungen der Polizei hätten ergeben, dass der arbeitslose Mann aufgrund schwieriger Lebensumstände, darunter die frühe Scheidung seiner Eltern, psychologische Probleme gehabt habe. Keines der Opfer sei lebensgefährlich verletzt worden, teilten die Behörden mit. In einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurde am Dienstag hervorgehoben, dass die Polizei fünf Minuten nach dem Notruf am Tatort eingetroffen sei und der mutmaßliche Täter innerhalb von einer halben Stunde überwältigt worden sei.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Chinas Medien berichteten allerdings erst mit einem Tag Verspätung über den Angriff, der am Montag stattgefunden hatte. Das war ein Hinweis darauf, dass die Behörden den Vorfall als politisch sensibel einstuften. In China kommt es seit Jahren immer wieder zu Angriffen auf Kindergärten und Grundschulen. Häufig wird die Berichterstattung darüber stark zensiert. Anfang September zum Beispiel griff ein 40 Jahre alter Mann am ersten Schultag eine Grundschule in Hubei an. Dabei tötete er acht Schüler mit einem Messer. Weder die Nachrichtenagentur Xinhua noch das Staatsfernsehen berichteten darüber. Eine Mitteilung der örtlichen Polizei wurde nach kurzer Zeit aus dem Internet gelöscht.

          Das Totschweigen solcher Taten wird offiziell damit begründet, dass eine Nachahmung durch Trittbrettfahrer vermieden werden soll. Solche Verbrechen, die sich explizit gegen die Schwächsten in der Gesellschaft richten, werfen aber auch heikle soziale Fragen auf. Die wollen die Verantwortlichen möglicherweise umgehen. Im Volksmund hat sich dafür der Begriff „Rache an der Gesellschaft“ eingebürgert. In den meisten Fällen sind die Täter Männer mittleren Alters, die ihren Frust über Beziehungsprobleme, wirtschaftliche Rückschläge oder empfundene soziale Benachteiligung an unbekannten Opfern auslassen. Chinesische Soziologen haben vor einigen Jahren mit Blick auf dieses Phänomen beklagt, dass es an gesellschaftlichen Kanälen fehle, um Frustration und Missständen auf gewaltfreie Weise Ausdruck zu verleihen.

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