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Kilometerweise Kabel geklaut : Kupferdiebe legen Innenstadt von Johannesburg lahm

Die Johannesburg Art Gallery musste im Mai schließen, weil Sicherheitskameras und Telefone nach einem Kupferdiebstahl nicht funktionierten. Bild: AP

Seit in Johannesburg kilometerlange Kupferkabel gestohlen wurden, haben unzählige Haushalte und Geschäfte in der südafrikanischen Millionenmetropole keinen Strom mehr. Der Handel mit dem roten Gold ist ein Milliardengeschäft.

          Das Geräusch von Generatoren ist in Johannesburgs Innenstadt schon länger nicht mehr zu hören gewesen. Doch seit ein Verbrechersyndikat zugeschlagen und kilometerlange Kupferkabel gestohlen hat, haben unzählige Haushalte und Geschäfte in der südafrikanischen Millionenmetropole keinen Strom mehr. „Ich habe in dieser Woche noch überhaupt kein Geld verdient, aber ich muss meine Miete bezahlen“, beschwert sich eine Friseurin in der sonst geschäftigen Albertina Sisulu Street. Einen Generator könne sie sich mit ihrem kleinen Laden nicht leisten.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Kabeldiebstahl ist in Südafrika schon lange ein Problem. Es kostet nicht nur die Wirtschaft viel Geld, sondern schlägt auch im Stadtsäckel beträchtlich zu Buche. Der Handel mit dem roten Gold ist ein Milliardengeschäft. Der Kupferpreis steigt und steigt, in dieser Woche erreichte er den höchsten Wert seit drei Jahren. In Südafrika wiederum fällt es internationalen Schmugglerringen nicht schwer, willige Helfer zu finden. Sie gehen für ein paar Rand auf Kupferjagd und setzen dabei auch ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel.

          Diesmal sind die Kupferdrahtzieher besonders ausgebufft vorgegangen: am frühen Sonntagmorgen, aus dem Untergrund. Sie hatten sich Zugang zu den Versorgungstunneln unter der Stadt verschafft und Stromkabel angezündet. Als in weiten Teilen der Innenstadt der Strom ausfiel, konnten sie ungestört, ohne Stromschläge fürchten zu müssen, Kupferdrähte aus den Leitungen ziehen. Noch unter der Erde schmolzen sie große Mengen des Metalls ein, weitere Drähte wurden in Säcken verpackt. „Wir wiegen das Kupfer, bis jemand kommt und es mitnimmt“, sagte einer der Männer einem Radioreporter kurz vor seiner Verhaftung. Wer die Abnehmer seien, wisse er nicht. Ein ebenfalls verhafteter Schrotthändler sagte, er verkaufe die Ware für einen kleinen Gewinn weiter. Wohin? „Keine Ahnung.“

          Diebesgut gelangt wohl ins Ausland

          Johannesburgs Bürgermeister Herman Mashaba versprach, entschlossen gegen die Kupferdiebe vorzugehen. Doch das ist nicht einfach. Die Behörden gehen davon aus, dass das Diebesgut auf verschlungenen Wegen ins Ausland gelangt. Vermutlich steckten auch Polizisten und Mitarbeiter der Energieversorger mit den Verbrechern unter einer Decke, sagte der Leiter einer Spezialeinheit der Polizei. Hinzu kommt, dass die Täter oft keine Konsequenzen fürchten müssen. Nach Angaben des Versorgers City Power wurden im vergangenen Jahr 143 Menschen verhaftet, aber nur sieben Prozent verurteilt. Um langfristig den Verbrechern das Handwerk zu legen, ersetzt City Power das Kupfer durch weniger begehrtes Aluminium. Doch bis das gesamte Kabelnetz erneuert ist, wird es noch Jahre dauern.

          Für die Händler in Johannesburgs Innenstadt ist die erste Woche im Monat normalerweise die wichtigste, weil die Bürger Geld zum Ausgeben haben. Doch noch während der Woche brannten einige Feuer unter der Erde weiter. Giftige Gase entwickelten sich, so dass die Reparaturteams den Schaden nur langsam beheben konnten. Die Polizei hat inzwischen mehr als 20 Verdächtige verhaftet.

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