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Kannibalismus-Mord in Berlin : Die Spur des abgenagten Knochens

Nach dem Fund von Überresten eines seit rund zwei Monaten vermissten Mannes aus Berlin gibt es Hinweise auf Kannibalismus. Bild: dpa

Spaziergänger finden in Berlin Knochenteile eines seit September vermissten Mannes. Die Spürhunde führen zu einem Verdächtigen – Stefan R. soll einen Kannibalismus-Mord verübt haben und sitzt nun in Untersuchungshaft.

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          Ein mutmaßlicher Kannibalismus-Mord hat Berlin erschüttert. Er kam nun mehr als zwei Monate nach der Tat ans Licht, weil Spaziergänger menschliche Knochenteile gefunden hatten. Unter dringendem Tatverdacht steht der 41 Jahre alte Stefan R. aus Berlin-Pankow. Er wurde am Mittwoch festgenommen, seit Donnerstag sitzt er in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen den Deutschen wurde wegen Sexualmordes aus niedrigen Beweggründen erlassen.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Mann, der seit fünf Jahren Sekundarschullehrer für Mathe und Chemie ist, wird verdächtigt, einen 44 Jahre alten Mann aus dem Berliner Bezirk Lichtenberg getötet und gegessen zu haben. Der Monteur im Hochleitungsbau war seit dem 5. September vermisst worden. Er hatte nach Polizeiangaben seine Wohnung kurz vor Mitternacht verlassen und war seitdem verschwunden. Seine Mitbewohner meldeten ihn als vermisst.

          Bei der Suche hatten die Ermittler auch Fotos veröffentlicht, um den Mann zu finden. Die Polizei fahndete zudem Ende Oktober nach Personen, die Kontakt über eine Dating-Plattform zu dem Vermissten gehabt haben könnten.

          Zwei Hunde führten zur Wohnung des Tatverdächtigen

          Am 8. November fanden Spaziergänger beim Hundeausführen in einem Waldstück in Berlin-Pankow einen vollkommen abgenagten menschlichen Beinknochen. Da man nicht ausschließen konnte, dass es sich um menschliche Überreste handelte, wurde der Knochen von der Gerichtsmedizin sichergestellt. Eine Mordkommission fand dann heraus, dass es sich um Überreste des seit mehr als zwei Monaten vermissten Mannes handelte. Die Polizei setzte daraufhin Spürhunde ein. Zwei Hunde führten unabhängig voneinander die Ermittler zur Wohnung des Tatverdächtigen, wie die „Bild“-Zeitung berichtete. Im Arbeitszimmer der Wohnung fanden die Ermittler eine größere Kühltruhe, die aber leer war.

          Die Ermittler konnten allerdings feststellen, dass Stefan R. in Foren im Internet aktiv war. So fanden sie Chatprotokolle zwischen ihm und seinem mutmaßlichen Opfer auf einer Plattform für Homosexuelle. Aus ihnen geht unter anderem hervor, dass sich beide zu einem Treffen verabredet hatten.

          Zudem konnte anhand von Internet-Suchverläufen festgestellt werden, dass sich Stefan R. für Kannibalismus interessierte. Auch soll er schon vor Jahren im Internet Fragen beantwortet haben, ob man sich den Penis abschneiden lassen und trotzdem weiterleben könne. Laut Staatsanwaltschaft schweigt der Verdächtige bisher zu den Vorwürfen.

          Die Tat erinnert an den „Kannibalen von Rotenburg“

          Der grausame mutmaßliche Mord erinnert an den Fall des „Kannibalen von Rotenburg“. Im März 2001 hatte der damals 39 Jahre alte Armin M. einen vier Jahre älteren Ingenieur aus Berlin kastriert, getötet und später teilweise gegessen. Der Fall wurde erst im Dezember 2002 aufgedeckt und M. im Zuge einer Hausdurchsuchung verhaftet. Auf seine Spur waren die Ermittler gekommen, weil ein Student auf die Kontaktanzeige von M. aufmerksam geworden war. Der Täter hatte sein späteres Opfer über eine Kontaktanzeige in einem Forum im Internet kennengelernt, in der er nach Opfern suchte. In seinem Haus in Rotenburg tötete er den Berliner angeblich mit dessen Einverständnis vor laufender Kamera. Armin M. hatte danach das Fleisch seines Opfers in Plastiktüten portioniert und in seiner Gefriertruhe gelagert, wo es die Ermittler fanden. Nachdem ein Urteil wegen Totschlags aus dem Jahr 2004 vom Bundesgerichtshof wieder aufgehoben worden war, wurde M. im Jahre 2006 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt sowie wegen Störung der Totenruhe, die das Verzehren einer Leiche nach Auffassung des Gerichts darstellte.

          Im Berliner Bezirk Neukölln hatte dann 2004 ein damals 41 Jahre alter Maler versucht, die Tat des „Kannibalen von Rotenburg“ zu imitieren. Unter dem Pseudonym „Metzger30“ hatte er ein Inserat in einem Internetforum publiziert, wo er einen Mann suchte, der sich als „Festbraten“ zur Verfügung stellte. Nach mehreren Treffen tötete er einen Musiklehrer, verzehrte aber das Fleisch seines Opfers nicht, sondern stellte sich nach seiner Tat der Polizei.

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