https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/kannibale-von-rotenburg-armin-meiwes-fuer-achteinhalb-jahre-in-haft-1135492.html

„Kannibale von Rotenburg“ : Armin Meiwes für achteinhalb Jahre in Haft

  • -Aktualisiert am
Armin Meiwes, der „Kannibale von Rotenburg”
          5 Min.

          Die 6. Große Strafkammer am Kasseler Landgericht hat Armin Meiwes, den "Kannibalen von Rotenburg", wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Vorsitzende Richter Volker Mütze schloß Tötung auf Verlangen oder Mord in seiner eineinhalbstündigen Begründung aus. Der Maßregelvollzug wäre für Meiwes richtig, doch er komme nicht in Frage, weil die Voraussetzungen fehlten. Meiwes und sein Opfer seien zwar sexuell abartig veranlagt, aber voll steuerungsfähig gewesen. Staatsanwalt Marcus Köhler, der auf Mord aus niederen Motiven plädiert und eine lebenslange Freiheitsstrafe (15 Jahre) gefordert hatte, kündigte Revision an. Der Angeklagte und sein Anwalt, Harald Ermel, wirkten nach der Urteilsverkündung sichtlich erleichtert. Ermel hatte auf Tötung auf Verlangen plädiert und eine "angemessene Strafe" gefordert. Er sprach von einem "Punktsieg für uns". Die Verteidigung habe in einem fairen Verfahren ihr Ziel überwiegend erreicht. Meiwes müsse nicht in den Maßregelvollzug. Er sei ein Mustergefangener. Die Sexualstruktur seines Mandanten sei nicht therapierbar. Er, Ermel, wolle die Hand nicht dafür ins Feuer legen, daß Meiwes nicht rückfällig wird.

          Mütze sprach von der Tat zweier psychisch Kranker, die sich mit Hilfe des Internets gefunden haben. Mütze sagte: "Wir haben mit dem Verfahren die Tür geöffnet in eine Welt, die man geneigt ist, gleich wieder zuzumachen." Die Tat sei durch einen Zufall offenbart worden. Mütze gab zu bedenken, wie viele Menschen auf dem Gebiet abartiger sexueller Phantasien der Hilfe bedürften. Kannibalismus im Internet sei weit verbreitet. Der Richter sprach von der "Subkultur der Angleichung an andere, die die Bewertung bestimmen", in den einschlägigen Internet-Foren. Die Nutzer seien nicht am anderen interessiert, sondern wollten nur ihre Phantasien umsetzen. "Wenn man bedenkt, wie umfangreich die Foren sind und daß sich nur einer meldet, ist das erschreckend", sagte Mütze angesichts eines Internetnutzers aus Österreich, dem die Internet-Anzeige, mit der Meiwes nach einem Schlachtopfer gesucht hatte, als verdächtig aufgefallen war. Der Österreicher hatte daraufhin die Polizei verständigt und den Anstoß zur Aufdeckung der Tat gegeben.

          Kennenlernen im Internet-Forum

          Der Computerfachmann Meiwes und sein Partner Bernd Jürgen B., ein Ingenieur aus Berlin in leitender Stellung bei einem großen Konzern, hatten sich im Januar 2001 in einem Kannibalen-Forum im Internet kennengelernt. Sie verabredeten nach den Worten des Vorsitzenden Richters einen Pakt von "Leistung und Gegenleistung". Beide Männer zeigten sexuelle Abartigkeit. B. habe sich nichts sehnlicher gewünscht als die Amputation seines Geschlechtsteils. Das sei für ihn "der Kick" gewesen. Meiwes habe sich dagegen nichts sehnlicher gewünscht, als sich einen Menschen einzuverleiben. Mütze sagte, Meiwes habe B. den Penis abschneiden müssen, obwohl er es nicht wollte. Sodann habe er über B.s Körper verfügen dürfen.

          Topmeldungen

          Russische Rekruten steigen in Krasnodar in einen Bus.

          Russische Rekruten : Mit eigenem Schlafsack in den Krieg

          Während Präsident Putin an diesem Freitag Russlands neueste Anschlüsse feiert, trübt vor allem der Unmut über die Mobilmachung die Stimmung.
          Nun sind es vier: Gas tritt am Mittwoch aus einem der Pipelinelecks in der Ostsee aus.

          Gaslecks in der Ostsee : NATO will Infrastruktur verteidigen

          Das Bündnis droht mit Konsequenzen, während Schweden ein viertes Leck in den Pipelines meldet. Moskau leitet derweil Ermittlungen wegen „internationalen Terrorismus“ ein.
          Habeck, Scholz und Lindner informieren über die Preisbegrenzung für Gas.

          Gaspreisbremse statt Gasumlage : Diese Koalition hält uns in Atem

          Um wieder in die Offensive zu kommen, muss die Regierung abermals eine Kehrtwende hinlegen. Und sie fährt schweres Geschütz auf. Sie sieht Deutschland im „Energiekrieg“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.