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Kampf gegen ’Ndrangheta : Razzia bei Politikern

Der Antimafia-Staatsanwalt: Nicola Gratteri hat in den vergangenen Tagen in ganz Italien Razzien gegen weitere gut 50 Verdächtige veranlasst. Bild: AFP

Der Kampf gegen die kalabrische Mafia beeinflusst jetzt auch die Regierungskrise: Chefankläger Gratteri hat Razzien gegen weitere gut 50 Verdächtige veranlasst, die meisten von ihnen aus Politik und öffentlicher Verwaltung.

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          Die Bemühungen von Ministerpräsident Giuseppe Conte um eine Überwindung der Regierungskrise in Italien haben am Donnerstag durch Ermittlungen gegen die Mafia einen Rückschlag erfahren. Im Rahmen der Operation „Unauffällig“ der Staatsanwaltschaft Catanzaro in Kalabrien unter Leitung von Chefermittler Nicola Gratteri wurde am frühen Morgen unter anderem die römische Wohnung des Politikers Lorenzo Cesa durchsucht.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Cesa wird der Zusammenarbeit mit der kalabrischen Mafiaorganisation verdächtigt. Der 69 Jahre alte Politiker trat daraufhin von seinem Posten als Vorsitzender der christdemokratischen Kleinpartei „Union der Mitte“ (UdC) zurück. Der UdC-Regionalchef von Kalabrien, Francesco Talarico, wurde wegen mutmaßlicher Zusammenarbeit mit der ’Ndrangheta unter Hausarrest gestellt.

          Conte hatte in den vergangenen Tagen mit Cesa und weiteren UdC-Führern über einen möglichen Eintritt der Partei in die Linkskoalition gesprochen, die wegen der akuten Regierungskrise im Senat über keine eigene Mehrheit mehr verfügt. In Lamezia Terme in Kalabrien hatte am 13. Januar der größte Mafia-Prozess seit mehr als drei Jahrzehnten gegen die ’Ndrangheta mit mehr als 350 Angeklagten begonnen. Chefankläger Gratteri hat in den vergangenen Tagen in ganz Italien Razzien gegen weitere gut 50 Verdächtige veranlasst, die meisten von ihnen aus Politik und öffentlicher Verwaltung.

          Cesa hatte sich 2018 bei den Wahlen in Italien sowie bei den Europawahlen 2019 jeweils um ein Mandat im Parlament in Rom beziehungsweise in Straßburg beworben. Er wurde aber nicht gewählt und verfügt deshalb nicht über Immunität vor Strafverfolgung. Nach der Operation am Donnerstag kommt die UdC kaum mehr für eine Regierungsmitarbeit in Frage.

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