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F.A.Z. exklusiv : Ein eigenes Mafia-Aufsichtsgremium für Deutschland

Führungsfiguren: Aufnahmen der italienischen Polizei zeigen ein Treffen des höchsten Gremiums der ’ndrangheta, dem sogenannten Crimine di Polsi. Bild: Carabinieri

Gemeinsame Recherchen von MDR und F.A.Z. zeigen: Die ’ndrangheta ist hierzulande besser organisiert als bisher öffentlich bekannt und verfügt sogar über ein eigenes Aufsichtsgremium: den Crimine di Germania.

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          Die kalabrische Mafia ist in Deutschland besser organisiert als bisher bekannt. Nach Recherchen von MDR und F.A.Z. gehen Ermittler davon aus, dass die ’ndrangheta hierzulande über ein eigenes Aufsichtsgremium verfügt, den Crimine di Germania. Dessen wichtigste Aufgabe ist es, zwischen den Interessen der einzelnen Familienclans zu vermitteln. Außerhalb von Italien hat die ’ndrangheta in keinem anderen europäischen Land solch ein Gremium.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das Bundeskriminalamt (BKA) hat auf Anfrage von MDR und F.A.Z. erstmals bestätigt, dass Informationen über einen Crimine di Germania vorliegen. Weitere Details nannte das BKA nicht.

          Aus internen Unterlagen geht allerdings hervor, dass das geheime Gremium offenbar mindestens einmal im Jahr zusammenkommt. Die Ermittler nennen neun Mitglieder. Der Chef des Gremiums, der Capo Crimine, wird wohl von den wichtigsten Vertretern der ’ndrangheta in Deutschland bestimmt.

          Die Führung in Kalabrien hat den Crimine di Germania offenbar in den Jahren nach den „Mafiamorden von Duisburg“ eingeführt. 2007 wurden dort im Rahmen einer Fehde unter Familienclans sechs Männer erschossen.

          Nicola Gratteri, Anti-Mafia-Staatsanwalt in Catanzaro, bestätigt, dass auch italienische Ermittler davon ausgehen, dass die ’ndrangheta in Deutschland eigene Kontrollstrukturen geschaffen hat, um künftig aufsehenerregende Taten wie in Duisburg zu verhindern. „Deutschland ist groß, sehr reich. Die jungen Leute sind umtriebig, sie wollen nicht jahrelang Teller waschen, auch sie wollen mehr“, sagt Gratteri. „Deshalb glaube ich, dass es eine sehr schwierige Aufgabe ist, die Spannungen und den Streit innerhalb der Ortszellen unter Kontrolle zu halten.“

          Die deutschen Behörden nehmen an, dass es hierzulande mindestens 18 bis 20 Zellen der kalabrischen Mafia gibt, etwa in Konstanz, Bremen, Saarbrücken und Dresden. Die mutmaßlichen Mitglieder des Crimine leben im Westen und im Süden des Landes. Nur einer wird in Erfurt verortet. Den Recherchen von MDR und F.A.Z. zufolge sind Ermittler schon um die Jahrtausendwende in einem umfangreichen Verfahren dem Verdacht nachgegangen, dass die kalabrische Mafia dort in großem Stil Geld wäscht. Zu einer Anklage ist es bis heute allerdings nicht gekommen.

          „Die Story im Ersten“ zum Thema „Mafia-Kolonie Ostdeutschland: Der blinde Fleck der Deutschen Einheit“ läuft am Montag, 22. Februar, um 22.50 Uhr in der ARD.

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          ’ndrangheta : Warum die kalabrische Mafia so mächtig ist Bild: Picture-Alliance

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