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Kachelmann-Prozess : Kachelmann wechselt den Verteidiger aus

Neuer Kachelmann-Anwalt: Johann Schwenn Bild: dpa

Reinhard Birkenstock gibt die Verteidigung von Jörg Kachelmann an den Hamburger Anwalt Johann Schwenn ab. Auch der zweite Wahlverteidiger wird vom Mandat entbunden. Der Prozess läuft trotzdem planmäßig weiter.

          Der frühere Wettermoderator Jörg Kachelmann, der sich vor dem Landgericht Mannheim gegen den Vorwurf verteidigen lässt, Anfang Februar in Schwetzingen eine frühere Freundin vergewaltigt zu haben, hat sein Verteidigerteam umgestellt. Zunächst wurde am Montagabend bekannt, dass der Kölner Anwalt Reinhard Birkenstock Kachelmann nicht länger vertreten wird; unklar blieb, ob er das Mandat selbst niederlegte oder davon entbunden wurde. Am Dienstag bestätigte dann Kachelmanns zweiter Wahlverteidiger, Klaus Schroth aus Karlsruhe, dass ihn Kachelmann von seinem Mandat entbunden habe. Neuer Wahlverteidiger des 52 Jahre alten Schweizers soll der Hamburger Anwalt Johann Schwenn werden; er hat schon zahlreiche andere Prominente vertreten, unter ihnen Markus Wolf, Gregor Gysi, Jan Ullrich, Marion Gräfin Dönhoff und Jan Philipp Reemtsma. Keine Änderungen gibt es bei der seit Prozessbeginn anwesenden Pflichtverteidigerin Kachelmanns Andrea Combé sowie dem involvierten Medienanwalt Ralf Höcker.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Gründe, die zum Ausscheiden Schroths und Birkenstocks führten, waren zunächst nicht bekannt. Kachelmann habe die Entscheidung nicht weiter begründet, äußerte Schroth. „Natürlich war das überraschend.“ Er war von Birkenstock zunächst bei der Einlegung der Haftbeschwerde hinzugezogen worden, mit der die Anwälte vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe Ende Juli die Freilassung Kachelmanns nach mehr als 130 Tagen in Untersuchungshaft erreichten.

          Schärferer Verteidigungstil

          Spekuliert wurde darüber, dass sich der Angeklagte mit Schwenn für einen „schärferen“ Verteidigungsstil entschieden habe. Birkenstock hatte, trotz seiner Befangenheitsanträge gegen Richter der 5. Großen Strafkammer, einen gutmütigen, bisweilen behäbigen Eindruck gemacht. Schwenn hatte in der Zeitschrift „Cicero“ das Landgericht und vor allem die Staatsanwaltschaft kritisiert: „Für das mit der Festnahme Kachelmanns verbundene Aufsehen und das öffentliche Breittreten seiner sexuellen Vorlieben ist vor allem diese Behörde verantwortlich.“

          Reinhard Birkenstock in der vergangenen Woche in Mannheim

          Bei den Aussagen des mutmaßlichen Opfers war Schwenn nicht dabei, auch nicht bei denen weiterer früherer Freundinnen und sonstiger Zeugen. Medienanwalt Höcker sagte aber am Dienstag, Schwenn wie auch Pflichtverteidigerin Combé seien „sehr gut vorbereitet“. Es werde kein Antrag auf Unterbrechung des Prozesses gestellt; dieser soll an diesem Mittwoch fortgesetzt werden. Bald steht die Anhörung der Sachverständigen an, denen eine entscheidende Rolle zukommt. Der Prozess gegen den Schweizer, der alle Vorwürfe zurückweist, hatte Anfang September begonnen und soll sich bis weit ins nächste Jahr hinziehen.

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