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Kachelmann-Prozess : Gutachter bringt keine Klarheit

  • Aktualisiert am

Kachelmann streitet die Vorwürfe ab Bild: dapd

Es ist eine der zentralen Fragen im Prozess gegen den Wettermoderator Kachelmann: Woher stammten die Verletzungen des mutmaßlichen Opfers? Vom Angeklagten oder von der Frau selbst? Ein Rechtsmediziner sollte diese Frage nun klären - konnte sie aber auch nicht eindeutig beantworten.

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          Der Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann ist am Dienstag mit der Anhörung eines Sachverständigen fortgesetzt worden. Der Rechtsmediziner Rainer Mattern, der das mutmaßliche Opfer zuerst untersucht hatte, brachte dem Landgericht Mannheim allerdings nicht die erhoffte Klarheit.

          „Ich kann weder nachweisen, dass der Angeklagte der Nebenklägerin die Verletzungen beigebracht hat noch kann ich nachweisen, dass sich die Nebenklägerin die Verletzungen selbst beigebracht hat“, sagte der Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts an der Universität Heidelberg. Er halte es allerdings „traumatomechanisch für möglich“, dass die Verletzungen von Kachelmann stammten.

          Kachelmann soll seine ehemalige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. Dabei hat er sie nach Darstellung der Frau unter anderem am Hals und den Oberschenkeln verletzt. Kachelmann bestreitet die Vorwürfe. Seine Anwälte sagen, die Schürfungen am Hals der Frau habe sie sich selbst zugefügt, ebenso die blauen Flecke an den Oberschenkeln. Vor einigen Wochen war bereits der von Kachelmann beauftragte Rechtsmediziner Bernd Brinkmann als Zeuge gehört worden.

          Seine Aussage wurde mit Spannung erwartet: Rechtsmediziner Mattern

          Selbstversuche mit der Ehefrau

          Mattern hatte die Frau am Tag nach der mutmaßlichen Tat untersucht. Die Verletzungen am Hals und die blauen Flecke an den Oberschenkeln der Frau könnten durch die Krafteinwirkung eines Messers beziehungsweise der Knie entstanden sein, sagte der 65 Jahre alte Mediziner. Eine Selbstverletzung sei aber ebenfalls nicht auszuschließen. Dazu müssten aber ganz bestimmte Bedingungen erfüllt gewesen sein.

          Es müssten aber mehrere Faustschläge mit einer Krafteinwirkung von etwa 500 Kilonewton gewesen sein, um die blauen Flecke an den Beinen herzustellen. Die Hämatome wären aber auch möglich, wenn man das gebeugte Knie auf die geschlossenen Oberschenkel drückt. Mattern hatte hierzu selbst Versuche mit seiner Ehefrau durchgeführt. Er hatte seine Knie mit Farbe bemalt, sodass die Abdrücke an den Oberschenkeln seiner Frau sichtbar wurden. Die Stellen mit höchster Krafteinwirkung lagen an ähnlichen Stellen wie die des angeblichen Tatopfers.

          Die Halsverletzungen könnten von dem Messer durch längeres Andrücken des Messerrückens verursacht worden sein. Dass nicht nur eine Linie entstand, könne damit erklärt werden, dass das Messer nicht völlig statisch nur an eine Stelle gehalten wurde. Dass sich die Frau die Kratzspuren am Hals selbst mit den Fingernägeln zufügte, hielt der gerichtlich bestellte Sachverständige für wenig wahrscheinlich. Eine Fotografie mit seiner Assistentin zeigte, dass beim Kratzen am Hals die Haut Falten wirft. Es sei sehr schwierig, eine durchgehende Linie herzustellen. Aber ausschließen könne man das nicht. Dass die Halsspuren des möglichen Opfers kürzer als der Messerrücken waren, ist für Mattern erklärbar. Die Druckintensität sei nicht über die gesamte Fläche gleich.

          Weitere psychologische Gutachten folgen

          Damit widersprach Mattern dem Gutachten von Brinkmann. Der hatte ausgesagt, er habe in Selbstversuchen in seinem Institut in Münstern blaue Flecke an den Oberschenkeln mit Faustschlägen hergestellt. Er habe auch einen Selbstversuch mit dem angeblichen Tatmesser an seinem Arm gemacht. Dabei sei eine andere Kratzspur entstanden als die am Hals des mutmaßlichen Opfers. Fotografien von seiner im Selbstversuch hergestellten Kratzspur legte Brinkmann dem Gericht allerdings nicht vor.

          Mattern hatte die Freundin Kachelmanns erstmals am Mittag des 9. Februar 2010, etwa elf Stunden nach der angeblichen Tat, untersucht. Weitere Untersuchungen folgten. Er legte dem Gericht am Dienstag zahlreiche Fotografien vor, die er in zeitlichen Abständen gemacht hatte. Er hatte auch einmal das angebliche Tatmesser an den Hals der 37-jährigen Radiomoderatorin gehalten. Sie habe geweint und zu zittern begonnen. Er habe das Experiment dann beendet. Mattern sagte, der Vergewaltigungsfall gehöre zu jenen, „mit denen ich mich am meisten befasst habe“.

          In den nächsten Wochen werden zahlreiche psychologische Gutachten folgen, die sowohl vom Gericht bestellt wurden als auch privat vom Angeklagten in Auftrag gegeben wurden. Der Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen die gerichtlich bestellte Aussagepsychologin Luise Greuel wurde vergangenen Montag als unbegründet abgelehnt. Die Bremer Psychologin wird also vom Gericht als Gutachterin gehört werden. Offen ist noch die Vernehmung einer weiteren Zeugin in der Schweiz.

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