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Kachelmann gegen Ex-Geliebte : Hat sie sich selbst verletzt?

  • Aktualisiert am

Jörg Kachelmann im Herbst 2012 vorm Landgericht Frankfurt. Jetzt läuft ein anderer Prozess am Oberlandesgericht der Stadt. Bild: dpa

Vom Vorwurf der Vergewaltigung ist Wetterexperte Kachelmann schon vor fast fünf Jahren freigesprochen worden. Im Schadenersatzprozess gegen seine Ex-Geliebte soll jetzt in zweiter Instanz ein Gutachten Klarheit bringen.

          Im Schadenersatzprozess von Wetterfachmann Jörg Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte wird am kommenden Mittwoch ein Gutachter vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt gehört. Der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Frankfurter Universitätsklinik, Marcel Verhoff, wird sein Gutachten zu DNA-Spuren an einem Messer erläutern, das bei Kachelmanns Ex-Geliebter gefunden worden war. Er wird außerdem Fragen des Gerichts und der beiden Parteien dazu beantworten.

          In erster Instanz hatte der 57 Jahre alte Kachelmann den Prozess gegen seine ehemalige Geliebte verloren. Er fordert in dem Zivilverfahren in zweiter Instanz von seiner Ex-Geliebten mehr als 13.000 Euro Schadenersatz für Gutachten, mit denen er sich im vorangegangenen Strafprozess in Mannheim verteidigt hatte.

          Das Landgericht Frankfurt begründete die Abweisung der Klage in erster Instanz Ende 2013 mit der Begründung, die Zivilkammer habe „nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen können“, dass die Ex-Geliebte wissentlich falsch ausgesagt habe. Vor dem OLG hatte Kachelmann daraufhin Berufung eingelegt.

          Frage, ob Ex-Geliebte sich selbst verletzt hat

          Das Gericht hatte im Juni 2014 den rechtsmedizinischen Sachverständigen Verhoff eingeschaltet, der DNA-Spuren an einem Messer untersuchen sollte, das bei Kachelmanns Ex-Geliebter gefunden worden war. Es sei um die Frage gegangen, ob sich die Frau im Februar 2010 selbst Verletzungen beibrachte.

          Mit einem Urteil des OLG rechnen Prozessbeobachter am Mittwoch noch nicht. Die Auslegung des Gutachtens sei sehr kontrovers, sagte der Anwalt von Kachelmanns Ex-Geliebter, Manfred Zipper, vor Prozessbeginn. Er sehe seine Mandantin davon nicht belastet. Kachelmanns Anwältin wollte sich vor Verhandlungsbeginn nicht äußern.

          Vom Vorwurf, er habe seine ehemalige Geliebte vergewaltigt, war der Schweizer Wetterexperte schon im Mai 2011 im Strafprozess vor dem Landgericht Mannheim freigesprochen worden. Im Zivilverfahren muss Kachelmann nun selbst darlegen und beweisen, dass seine Ex-Geliebte die Unwahrheit gesagt hat.

          „Miesester Freispruch aller Zeiten“

          Das wird nicht leicht, denn er muss damit im Zivilprozess etwas beweisen, was das Landgericht Mannheim nach einem quälend langen Strafprozess ausdrücklich nicht erkennen wollte.

          Die Mannheimer Richter hatten damals betont, der Freispruch bedeute nicht, dass Claudia D. wissentlich die Unwahrheit gesagt habe, als sie den Wetterexperten wegen Vergewaltigung anzeigte. Da sich die Aussagen der beiden unvereinbar gegenüberstünden, gelte aber der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“.

          Kachelmann sprach damals vom „miesesten Freispruch aller Zeiten“ und nahm den Kampf um die mediale Deutungshoheit auf: Interviews, Buch, Buchmessenauftritt, Talkshows. Ob er die Öffentlichkeit überzeugt hat, ist schwer zu sagen - erreicht hat er sie allemal.

          Einen Entschädigungsprozess hatte Kachelmann gewonnen

          Auch mehrere Gerichtsverfahren hat er schon geführt. Den Schmerzensgeld-Prozess gegen den Springer-Konzern hat er gewonnen. Einen Prozess darum, ob er Claudia D. nicht nur als Falschbeschuldigerin, sondern auch als Kriminelle bezeichnen darf, verloren.

          Ob Wettermoderator Kachelmann zu dem Verhandlungstermin am Mittwoch in Frankfurt kommt, war Ende der Woche noch unklar. Der Senat habe die Anordnung des persönlichen Erscheinens aufgehoben, berichtete der Gerichtssprecher. Kachelmanns Ex-Geliebte wird nach Auskunft ihres Anwalts Manfred Zipper voraussichtlich an der mündlichen Verhandlung teilnehmen.

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