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Juwelenraub in Dresden : „Es hätte noch schlimmer kommen können“

  • -Aktualisiert am

Polizisten verlassen am Mittwoch das Residenzschloss. Nach dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe geht die Spurensuche der Polizei am Tatort weiter. Bild: dpa

Zwei Tage nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe steht fest, welche Objekte die Täter erbeutet haben. Von ihnen fehlt weiterhin jede Spur. Derweil steht das Sicherheitskonzept der Kunstsammlung in Frage.

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          Nach dem Raub im Grünen Gewölbe und dem Abschluss der Spurensicherung haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden am Mittwoch einen Überblick über die gestohlenen Objekte veröffentlicht. Demnach erbeuteten die Diebe aus den drei Juwelengarnituren, die insgesamt rund 100 Teile umfassen, elf Objekte sowie eine Gruppe von Rockknöpfen und Teile zweier weiterer Objekte. Besonders große Verluste gibt es bei der Diamantrosengarnitur, aus der unter anderen ein diamantenbesetzter Degen, Orden und Epauletten fehlen. Aus der Brillantgarnitur erbeuteten die Diebe drei Stücke, darunter den Bruststern des Polnischen Weißer-Adler-Ordens. Auch aus dem Diamantschmuck fehlen drei Objekte, darunter die Große Brustschleife der Königin Amalia Auguste. Alle Objekte stammen aus dem 18. Jahrhundert und gehörten mal Sachsen-Kurfürst und Polen-König August dem Starken und seinem Sohn, August III.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Dirk Syndram, der Direktor des Grünen Gewölbes, konnte am Dienstag erstmals nach der Tat das Juwelenzimmer besichtigen. Er sprach gegenüber der „Sächsischen Zeitung“ von einem gewaltigen Einschnitt. „Aber es hätte noch schlimmer kommen können“, sagte er angesichts erster Meldungen, wonach die drei Garnituren komplett gestohlen worden seien. Viele Fragen aber gibt es weiterhin zum Sicherheitskonzept. Dass die Täter in nur wenigen Minuten ein Metallgitter durchtrennen, ein Sicherheitsglas-Fenster aufstemmen und eine Spezialvitrine mit einer Axt öffnen – und damit das gesamte Sicherungssystem überwinden konnten, ist erklärungsbedürftig. „Wir sind davon ausgegangen, dass man eine Viertelstunde mit einer Axt darauf einschlagen muss, bevor man es beschädigen kann“, sagte Syndram über das Glas der Vitrinen. „Was uns der Lieferant des Sicherheitsglases versprochen hat, hat nicht gehalten.“

          Im Gegensatz dazu hat das dreifache Sicherheitsglas des Fensters, durch das die Täter in das Schloss eindrangen, gehalten. Womit offenbar niemand gerechnet hatte, war aber, dass die Einbrecher das Fenster im Ganzen aus der Verankerung sprengten, wobei das Glas nicht kaputt ging. Erst dann löste Syndram zufolge der Alarm aus, woraufhin das Wachpersonal die Einbrecher via Überwachungskameras sah und per Notruf die Polizei verständigte. Unmittelbar bevor die Polizei eintraf, waren die Täter schon wieder auf der Flucht.

          Von den Tätern fehlt weiter jede Spur

          Dass die Sicherheitsleute nicht direkt eingegriffen haben, erklärte Syndram mit der Brutalität der Täter, die auf den Bildschirmen zu sehen war. Das Personal sei dann verpflichtet, sich nicht in Lebensgefahr zu begeben und die Polizei zu rufen. Anders als zu DDR-Zeiten seien die Sicherheitsleute heute auch nicht mehr bewaffnet, sondern trügen lediglich Schlagstöcke bei sich. Ob das angesichts global agierender Kunsträuber-Banden noch angemessen ist, wird ebenso zu diskutieren sein, wie der Einsatz privater Sicherheitsfirmen in hochsensiblen Bereichen wie dem Grünen Gewölbe. Dadurch geht den Staatlichen Kunstsammlungen zwangsläufig der Überblick über das eingesetzte Personal verloren.

          Von der Epaulette aus der Diamantrosengarnitur ist nur noch ein Teilstück vorhanden.
          Von der Epaulette aus der Diamantrosengarnitur ist nur noch ein Teilstück vorhanden. : Bild: AP

          Zudem ist nicht auszuschließen, dass auf diesem Weg Insiderwissen über Wachwechsel, Reinigungszeiten oder Stromzufuhr leichtfertig weitergegeben wird. Der Polizei zufolge war auch der Brand einer Elektroverteilerbox, der zum Tatzeitpunkt die Straßenbeleuchtung kappte, kein Zufall. Die Täter seien vorbereitet und professionell vorgegangen. Auch zwei Tage nach dem Verbrechen fehle von ihnen jede Spur.

           „Die Täter sehen meistens nur den reinen Materialwert“

          Die Staatlichen Kunstsammlungen sind mit Aufräumenarbeiten beschäftigt. Das Juwelenzimmer, aus dem die Stücke geraubt wurden, ist in einem verheerenden Zustand, da die Einbrecher auch Feuerlöscher versprühten, um Spuren zu verwischen. Museums-Chef Syndram sprach von einem „Kampffeld“, hofft aber, die Schmuckstücke doch noch heil wiederzusehen. Bereits am Montag hatte Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Sammlungen, von einem unschätzbaren kunsthistorischen Wert gesprochen, der sich aus dem Ensemble der Edelsteine ergebe.

          „Das ist aber nur selten die Sichtweise der Diebe“, sagte der Raubkunstexperte Willi Korte, der unter anderem den Quedlinburger Domschatz in den Vereinigten Staaten aufspürte und bei der Zurückführung half, im Gespräch mit der F.A.Z. „Die Täter sehen meistens nur den reinen Materialwert, und im Gegensatz zu einem Gemälde lassen sich Schmuckstücke leicht teilen und einzeln auf dem Schwarzmarkt verkaufen.“ Kunstraub sei ein höchst einträgliches Geschäft und anders als Drogen- und Waffenhandel auch eine der lukrativsten Straftaten weltweit, so Korte. „Mit vergleichsweise geringem Aufwand und Risiko lässt sich ein sehr hoher Ertrag erzielen.“

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