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Überfall vorgetäuscht : Jussie Smollett soll 130.000 Dollar an Polizei zahlen

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Jussie Smollett spricht mit den Medien, nachdem er das Cook County Court am 26. März verlasen hat. Bild: AP

Die Stadt Chicago will den Schauspieler die Überstunden bezahlen lassen, die die Polizisten seinetwegen angesammelt haben. Smolletts Anwälte hingegen fordern eine Entschuldigung von der Stadt.

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          Der Fall Jussie Smollett zieht weitere Kreise: Die Stadt Chicago fordert von dem Schauspieler 130.000 Dollar (umgerechnet 116.000 Euro) als Ersatz für die Ermittlungen nach dem angeblichen Überfall auf ihn. Unter anderem gehe es um die Bezahlung der Überstunden der eingesetzten Polizisten. „Mehr als zwei Dutzend Beamte waren eingesetzt, es kostete sie Wochen, um Ihre falschen Anschuldigungen zu untersuchen“, so der Chef der Rechtsabteilung in dem Schreiben, aus dem mehrere amerikanische Medien am Donnerstag zitierten.

          Die Polizei hatte bei ihren Ermittlungen herausgefunden, dass der Schauspieler zwei Männer bezahlt hatte, um im Januar einen gegen ihn gerichteten rassistischen und homophoben Angriff vorzutäuschen. Der schwule afroamerikanische Schauspieler, der mit der Dramaserie „Empire“ bekannt wurde, wollte damit laut Polizei seine Karriere vorantreiben. Im Schreiben der Stadt Chicago an ihn heißt es: „Die Polizei-Ermittlungen ergaben, dass Sie wissentlich eine falsche Anzeige stellten.“

          Für den Fall, dass Smollett die 130.000 Dollar nicht binnen sieben Tagen bezahlt, droht die städtische Rechtsabteilung damit, ihn nach dem Municipal Code of Chicago, also dem eigenen Stadtrecht, wegen Falschaussage zu verfolgen. Dies könnte bedeuten, dass er das Dreifache des Schadensersatzes als Strafe zahlen müsste.

          „Jussie hat genug bezahlt“

          Die Anwälte des Schauspielers forderten laut Medienberichten die Stadtverwaltung und die Polizeiführung auf, sich bei ihrem Mandanten zu entschuldigen: „Der Bürgermeister und der Polizeichef schulden Jussie eine Entschuldigung dafür, dass sie einen unschuldigen Mann durch den Dreck gezogen haben.“ Und: „Jussie hat genug bezahlt“. Unklar blieb, worauf sie dies genau bezogen.

          Die Staatsanwaltschaft hatte die Anklage gegen den 36-Jährigen überraschend am Dienstag fallengelassen. Im Gegenzug verlor Smollett aber die 10.000 Dollar (umgerechnet etwa 8900 Euro), die er als Kaution hinterlegt hatte. Er leistete nach Medienberichten außerdem 16 Sozialstunden.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag angekündigt, auch das Justizministerium und die Bundespolizei FBI würden den Fall untersuchen. „Es ist beschämend für unsere Nation!“, schrieb Trump auf Twitter. Da ist er sogar einer Meinung mit Chicagos Bürgermeister Rahm Emanuel von den Demokraten, einem Trump-Gegner. Smollett habe die Stadt Chicago „missbraucht“. Auf den Scheck könne der Schauspieler auch schreiben: „Ich bin für den Schwindel verantwortlich.“

          Die „Empire“-Produzenten hatten Smolletts Figur vorübergehend aus der Dramaserie herausgenommen. Ob die Serie um eine sechste Staffel verlängert wird und ob der Schauspieler darin mitspielen wird, war zunächst unklar. Amerikanische Medien halten letzteres für eher unwahrscheinlich. In „Empire“ geht es um ein fiktives Hip-Hop-Label und einen Machtkampf innerhalb der Familie des Gründers. Smollett spielte darin den Singer-Songwriter Jamal Lyon.

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