https://www.faz.net/-gum-9mpcr

Geiselnahme nahe Toulouse : Jugendlicher „Gelbwesten“-Anhänger lässt alle Frauen frei

  • Aktualisiert am

Die Polizei sichert das Gebiet rund um den Tabakladen, in dem ein Jugendlicher vier Geiseln gefangen hält. Bild: AFP

Ein Minderjähriger, der sich selbst „bewaffneter Arm der Gelbwesten“ nennt, hielt nahe Toulouse vier Frauen als Geiseln. Inzwischen ist die Geiselnahme beendet. Der bewaffnete Jugendliche verschanzt sich jedoch weiter.

          1 Min.

          Ein bewaffneter Jugendlicher hat in der Nähe der südwestfranzösischen Stadt Toulouse vier Menschen als Geiseln festgehalten. Die Geiselnahmen spielten sich in einem Zigarettengeschäft in dem Ort Blagnac ab, wie Polizeikreise der Deutschen Presse-Agentur mitteilten. Wie die Regionalzeitung „La Depêche du Midi“ berichtete, waren alle Geiseln Frauen.

          Die Geiselnahme konnte gegen 21 Uhr am Abend beendet werden: Nachdem der Minderjährige erst eine Frau laufen ließ, wurden auch die übrigen drei etwa eine Stunde später befreit. Damit konnten alle Geiseln aus der Gewalt des bewaffneten Mannes befreit werden und wurden nicht verletzt, wie die zuständige Präfektur am Dienstagabend mitteilte. Der Geiselnehmer verschanzte sich weiter.

          Bei dem Geiselnehmer handelt es sich um einen 17 Jahre alten Jugendlichen – er trug während der Geiselnahme einen Motorradhelm. Der Minderjährige ist der französischen Polizei bekannt: Mitte Dezember wurde er bei einer Demonstration der „Gelbwesten“ in Toulouse festgenommen. Damals habe er sich als „bewaffneter Arm der Gelbwesten“ ausgegeben. Im Laufe der Geiselnahme soll der Siebzehnjährige die Polizei angerufen und verlangt haben, mit einem Vermittler der Eliteeinheit RAID zu sprechen. Zuvor gab der Jugendliche zwei Schüsse ab, um Sicherheitskräfte fernzuhalten.

          In dem Haus des Minderjährigen in Blagnac wurde eine Durchsuchung durchgeführt, bei der ein schriftliches Testament gefunden wurde. In diesem schreibt der Geiselnehmer über seine Depressionen und die Teilnahme an den „Gelbwesten“-Protesten.

          Geiselnehmer erlaubte Anrufe

          Der minderjährige Geiselnehmer erlaubte jeder der festgehaltenen Frauen während der Geiselnahme, einen Verwandten anzurufen. Nach den Informationen, die die „La Depêche du Midi“ vom Ehemann einer Geisel bekam, sei die Atmosphäre in dem Tabakladen ruhig gewesen. 

          Bei der Geiselnahme soll es sich um einen misslungenen Raubüberfall gehandelt haben. Laut Medien soll die Geiselnahme keinen terroristischen Hintergrund haben. Die Polizei riet via Twitter, den Bereich in Blagnac zu meiden.

          Wie BFMTV weiter berichtete, waren Sicherheitskräfte präsent, in der Nähe des Geschäfts parkten Einsatzfahrzeuge. „Man hat uns aufgefordert, die Fensterläden zu schließen und im Haus zu bleiben“, zitierte die Regionalzeitung „La Depêche du Midi“ Nachbarn. „Diese Ereignisse sind bedauerlich“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Joseph Carles. Die Polizei forderte Bürger auf, den Bereich in Blagnac zu meiden.

          Weitere Themen

          Frau und Kind im Watt vermisst

          Suchaktion am Elbdeich : Frau und Kind im Watt vermisst

          Eine Frau und ihr acht Jahre alter Sohn werden im Watt vor Brunsbüttel vermisst. Fußspuren, Kleidungsstücke sowie Schuhe an einer Buhne deuten darauf hin, dass sich beide in Wassernähe aufhielten – gefunden wurden sie bislang aber nicht.

          Topmeldungen

          Königin Elisabeth II. am Montag im britischen Parlament neben ihrem Sohn, Prinz Charles.

          Britisches Unterhaus : Queen’s Speech – und dann?

          Die britische Königin hat an diesem Montag mit ihrer Rede das Parlament wiedereröffnet und die Politikvorhaben der Regierung vorgestellt. Im Brexit-Prozess ist das jedoch nur ein Intermezzo.

          Die Grünen : Was das Klima kostet

          Den Grünen wird immer wieder vorgeworfen, mit ihrem Programm vor allem diejenigen anzusprechen, denen es nichts ausmacht, tiefer in die Tasche zu greifen. Fest steht: In höheren sozialen Schichten sind sie besonders erfolgreich.
          Die Gesundheit des Babys ist für Eltern das höchste Gebot – nicht erst ab der Geburt.

          Verfrühter Mutterschutz : Kaum schwanger, schon weg

          Immer häufiger werden Erzieherinnen und Lehrerinnen lange vor der Geburt des Kindes krankgeschrieben. In vielen Kitas und Grundschulen führt das zu Schwierigkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.