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Am S-Bahnsteig : Stoß mit tödlichem Ende

Ort einer Tragödie: S-Bahnhof Frankenstadion in Nürnberg (Archivbild) Bild: dpa

Zwei Jugendliche sind in Nürnberg angeklagt, zwei Schüler ins Gleisbett geschubst zu haben. Die beiden Jungen hatten keine Chance: Den Angriff konnten sie nicht sehen – die Täter standen hinter ihnen.

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          Er könne die Tat nicht ungeschehen machen, sagt der Angeklagte C. am Donnerstag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Aber er wolle sich persönlich bei den Eltern entschuldigen. Für seine Entschuldigung hat sich C. von der Anklagebank erhoben und den Eltern der beiden getöteten Schüler zugewandt.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der 18 Jahre alte C. muss sich zusammen mit dem ebenfalls 18 Jahre alten K. wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Den beiden Schülern wird vorgeworfen, am 26. Januar zwei 16 Jahre alte Schüler auf einem S-Bahnsteig ins Gleisbett gestoßen zu haben. Die beiden Jungen hatten dabei nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Chance: Den Angriff konnten sie nicht sehen – die Täter standen hinter ihnen auf dem Bahnsteig. Die Schüler stürzten auf die Gleise und wurden von einem einfahrenden Zug erfasst und tödlich verletzt. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da die beiden Angeklagten zur Tatzeit noch 17 Jahre alt waren.

          Die Tat geschah an einem Samstagabend kurz nach Mitternacht am S-Bahnhof Nürnberg Frankenstadion inmitten Dutzender Jugendlicher, die nach einem Diskotheken-Besuch nach Hause fahren wollten. Auch die beiden Angeklagten K. und C. kamen gerade aus einer Diskothek. Am Bahnsteig trafen sie auf die beiden späteren Opfer, die dort mit einer Gruppe von Freunden aus ihrem Heimatort Heroldsberg auf die Bahn warteten. Am Bahnsteig trafen die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft zudem auf ihren Bekannten Ka.

          Durchfahrender Zug war nicht angekündigt

          Gegen 0.10 Uhr habe dann der Angeklagte K. in der Nähe des Treppenaufgangs einem der Sechzehnjährigen von hinten an dessen Rucksack gegriffen. Es sei daraufhin zu einem Wortwechsel zwischen K. und der Freundesgruppe aus Heroldsberg gekommen, K. habe dabei dem anderen Sechzehnjährigen kurz ans Kinn gefasst. Das Ganze endete demnach in einer kurzen Schubserei über das Treppengeländer hinweg, an der aber die Sechzehnjährigen offenbar nicht beteiligt waren. Die beiden Schüler versuchten danach ebenso wie Ka. zunächst, die Situation zu beruhigen. Dann aber schlug Ka. auf einen Freund der beiden späteren Opfer sowie auf weitere Personen ein. Daraus entwickelte sich laut Anklage eine „tumultartige körperliche Auseinandersetzung“ zwischen Bahnsteigrand und Treppengeländer, in die sich bald auch der Angeklagte C. einmischte. Sein Freund, der Angeklagte K., habe die Szene zunächst nur von außen beobachtet.

          Um 0.13 Uhr schließlich kam es zu dem folgenreichen Stoß: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stießen die Angeklagten C. und K. „in bewussten und gewollten Zusammenwirken“ einen der mit dem Rücken zu ihnen stehenden Schüler aus Heroldsberg nach vorne ins Gleisbett. Durch den Stoß stürzten jedoch nach den Angaben auch sein Freund sowie ein weiterer Jugendlicher auf die Gleise. Dieser konnte sich – im Gegensatz zu den beiden anderen Schülern – in letzter Sekunde vor der einfahrenden S-Bahn retten. Die beiden Sechzehnjährigen hingegen wurden von dem Zug überrollt. Die Angeklagten haben laut Staatsanwaltschaft mit dem Stoß des einen Jungen „zumindest billigend in Kauf genommen“, dass nicht nur dieser Schüler, sondern auch weitere Personen im dichten Gedränge am Rand des Bahnsteigs in das Gleisbett stürzen und sich verletzen könnten.

          Am Donnerstag geben die beiden Angeklagten nach Angaben eines Gerichtssprechers über ihre Verteidiger zu, den Jungen gestoßen zu haben. Beide geben demnach an, von einem bald einfahrenden Zug nichts bemerkt zu haben. Der Zug, eine durchfahrende S-Bahn, war nicht angekündigt. Offenbar gab es auch zuvor keine Durchsage. Der nächste planmäßige Zug sollte erst um 0.26 Uhr einfahren. Der Angeklagte K., der sich über seinen Anwalt auch bei den Eltern entschuldigte, hat zudem angegeben, dass ihm die Gefährlichkeit der Situation erst hinterher bewusst geworden sei.

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