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Verurteilter Mörder in Amerika : Jens Söring soll am Dienstag in Frankfurt landen

  • -Aktualisiert am

Jens Söring während eines Interviews im Gefängnis, 9. März 2011. Bild: Picture-Alliance

Selbst der Rechtsanwalt von Jens Söring weiß nicht genau, wann der verurteilte Doppelmörder in Deutschland landen soll. In Amerika herrscht Unmut über die abrupte Freilassung.

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          Nach fast 34 Jahren ging es plötzlich ganz schnell. Obwohl die Bewährungskommission des amerikanischen Bundesstaats Virginia Jens Sörings Antrag auf vorzeitige Entlassung im vergangenen Januar abermals abgelehnt hatte, gab Gouverneur Ralph Northam vor drei Wochen unerwartet die bevorstehende Freilassung des deutschen Diplomatensohns bekannt. Einen Tag später wurde der verurteilte Doppelmörder aus dem Buckingham Correctional Center in das Abschiebungszentrum in Farmville verlegt.

          Jetzt steht Sörings Abschiebung nach Deutschland unmittelbar bevor. Beamte der amerikanischen Einwanderungsbehörde (ICE) sollen den Dreiundfünfzigjährigen laut amerikanischen Medienberichten am Montagabend zu einem Flughafen an der Ostküste bringen, um ihn in einen Flieger nach Frankfurt zu setzen. Selbst Rechtsanwalt Steven Rosenfield, der den früheren Studenten der University of Virginia seit Jahren vertritt, geben die Umstände der unerwarteten Freilassung Rätsel auf. „Die Einwanderungsbehörde weigert sich mitzuteilen, wann Jens nach Deutschland fliegt. Sie beruft sich auf Sicherheitsbedenken“, sagt Rosenfield. „Angeblich landet er am Dienstag. Ich hoffe, das stimmt.“

          Eine Jury hatte Söring im Sommer 1990 wegen des Mordes an Nancy und Derek Haysom, den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth, zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Seine Komplizin Haysom zu 90 Jahren Haft verurteilt. Fünf Jahre zuvor waren die mit zahllosen Messerstichen übersäten Leichen der Eheleute Haysom in ihrem Haus in Boonsboro im ländlichen Bezirk Bedford gefunden worden. Als die Polizei den damals 18 Jahre alten Söring befragen wollte, flüchtete er mit Elizabeth Haysom nach England. Nach der Verhaftung in London gab der Student zu, die Eltern seiner Freundin ermordet zu haben. Angeblich lehnten sie die Romanze ihrer hochbegabten Tochter mit dem eher unscheinbaren Studenten ab. Später widerrief er die Geständnisse.

          In den nächsten Jahrzehnten wurde Söring durch Gefängnisinterviews, mehrere Bücher und 14 Anträge auf vorzeitige Entlassung zu einem der bekanntesten Häftlinge Virginias. Hinter den Kulissen bemühten sich Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik wie Christoph Strässer (SPD) und Markus Löning (FDP) derweil um eine Haftüberstellung Sörings nach Deutschland. Die abrupte Freilassung nach fast 34 Jahren begründete die Bewährungskommission jetzt unerwartet mit seinem Alter zur Tatzeit und Einsparungen für Virginias Steuerzahler. Bei der Ablehnung des letzten Antrags auf vorzeitige Entlassung im Januar hatte das „Parole Board“ noch auf die Schwere der Tat verwiesen.

          Sörings Anwalt Rosenfield soll von den Beratungen der Kommission, die vor drei Wochen in die Überstellung nach Farmville mündeten, nichts gewusst haben. Auch der republikanische Abgeordnete Ben Cline wurde von der Entscheidung des Bewährungsausschusses überrascht: „Sie schockiert und entsetzt mich, weil sie nichts mit Reue der Mörder für ihre Verbrechen zu tun. Die zitierten vermeintlichen Einsparungen für Virginia sind eine Beleidigung der Angehörigen und aller Grundsätze der Gerechtigkeit.“  

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