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Vor Suizid aufgesetzt : Epstein unterzeichnete noch im Gefängnis sein Testament

  • -Aktualisiert am

Epstein-Eigentum: Die Insel Little St. James in der Karibik Bild: Reuters

Jeffrey Epstein hinterlässt nach seinem Suizid ein Vermögen von fast 580 Millionen Dollar, inklusive mehrerer Inseln. Auf einer davon sollen die angeblichen Sexpartys mit Minderjährigen stattgefunden haben.

          Der wegen Sexhandels und Missbrauchs von Minderjährigen angeklagte Jeffrey Epstein hat zwei Tage vor seinem Tod in einer New Yorker Gefängniszelle ein Testament unterzeichnet. Das Dokument, das auf den amerikanischen Jungferninseln hinterlegt wurde, listet ein Vermögen von fast 580 Millionen Dollar. Epstein war Eigentümer der Insel Little Saint James, wegen angeblicher Sexpartys mit Minderjährigen auch „Pädophileninsel“ genannt, und deren Nachbarinsel Great Saint James. Ob Epstein mögliche Erben einsetzte, blieb vorerst offen. Mutmaßliche Opfer des schon im Jahr 2008 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Vermögensberaters kündigten bereits Ansprüche gegen den Nachlass an. „Die gesamte Summe sollte den Opfern zugesprochen werden. Das ist ihre einzige Möglichkeit, Gerechtigkeit zu bekommen“, verlangte die kalifornische Anwältin Lisa Bloom, die mehrere Frauen vertritt, die Epstein Missbrauch und Vergewaltigung vorwerfen.

          Nach Berichten des „Miami Herald“ über mindestens 100 Missbrauchsopfer war Epstein am 6. Juli verhaftet worden. Eine Entlassung aus der Haft gegen Kaution lehnte das Gericht in New York ab. Am 10. August fanden Vollzugsbeamte Epstein leblos in einer Zelle des Metropolitan Correctional Center (MCC) in Manhattan. Laut Obduktionsbericht nahm er sich mit einem Bettlaken das Leben. Wie eine Untersuchung des Justizministeriums in der vergangenen Woche ergab, kam es während Epsteins Haft im MCC zu schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten.

          Unter anderem sollen die Vollzugsbeamten versäumt haben, die Zelle des Sechsundsechzigjährigen regelmäßig zu kontrollieren. Justizminister William Barr gab am Montag bekannt, den bisherigen stellvertretenden Leiter der Bundesgefängnisbehörde, Hugh Hurwitz, zu versetzen. Das Federal Bureau of Prisons wird künftig von Kathleen Hawk Sawyer geführt. In der vergangenen Woche waren schon der Leiter des MCC und zwei Vollzugsbeamte versetzt oder suspendiert worden.

          Minderjährige Mädchen aus Europa eingeflogen

          Wie die Bundesstaatsanwaltschaft am Montag mitteilte, wurde die Anklage gegen Epstein inzwischen fallengelassen. Die Ermittlungen gegen mögliche Mittäter des Verstorbenen würden aber fortgesetzt. Epstein, der neben den Karibikinseln auch Anwesen in Manhattan, Palm Beach, New Mexico und Paris besaß, unterhielt Beziehungen zu Donald Trump, Bill Clinton sowie weiteren Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Nach Darstellung mutmaßlicher Opfer soll der Geschäftsmann sie nicht nur selbst missbraucht haben. Epstein soll die Mädchen auch immer wieder für sexuelle Übergriffe „verliehen“ haben. Die „New York Post“ berichtete am Montag zudem von drei zwölf Jahre alten Mädchen, die der Modelscout Jean-Luc Brunel seinem Freund Epstein als „Geburtstagsgeschenke“ aus Frankreich schickte. Nach den angeblichen Übergriffen sollen die Kinder wieder nach Europa zurückgeflogen worden sein.

          Auch Prinz Andrew, der Sohn der britischen Königin Elisabeth II., wurde in den Akten eines Verleumdungsprozesses gegen Epsteins frühere Partnerin Ghislaine Maxwell aus dem Jahr 2016 beschuldigt. Wie Epsteins mutmaßliches Opfer Virginia Roberts Giuffre damals aussagte, soll der Prinz an Sexpartys teilgenommen haben. Videomitschnitte, die am vergangenen Wochenende online veröffentlicht wurden, zeigten den 59 Jahre alten Adeligen im Jahr 2010 zudem in Epsteins Townhouse in Manhattan. Der Geschäftsmann hatte sich damals bereits schuldig erklärt, eine Dreizehnjährige missbraucht zu haben. „Der Herzog von York ist entsetzt über die Berichte von Jeffrey Epsteins angeblichen Verbrechen“, ließ der Buckingham Palace den Sender CNN am Montag wissen. „Seine königliche Hoheit bedauert die Ausbeutung aller Menschen. Jede Andeutung, er billige, beteilige sich an oder unterstütze so ein Verhalten, ist abscheulich.“


          Hilfe bei Suizidgedanken

          Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

          Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

          Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
          Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

          Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

          Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

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