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Täuschungsversuch : Italiener erscheint mit Silikonarm zur Impfung

Die Teilhabe an vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ist in Italien an den Green Pass geknüpft. Bild: Reuters

In Italien sorgt ein dreister Impfgegner für Empörung: Um einen Green Pass zu erhalten, erschien er mit einem Silikonarm im Impfzentrum. Eine Helferin schöpfte jedoch Verdacht. Gab es schon mehr solcher Versuche?

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          In Italien gibt es immer weniger gesellschaftliche Sphären, an denen man ohne einen Impfnachweis, den Green Pass, noch teilhaben kann. Wer sich erst jetzt seine erste Dosis verabreichen lässt, hatte sie aus gesundheitlichen Gründen bisher auf­geschoben, ist ein bekehrter Skeptiker oder noch immer ein Impfgegner, der aber unbedingt den Green Pass haben möchte, um das Leben genießen zu können. Wie groß die Verzweiflung unter Angehörigen der letzten Kategorie mittlerweile ist und zu welchen kreativ-kriminellen Höhenflügen sie anregen kann, zeigt ein Fall, der sich gerade in einem Impf­zentrum in Biella ereignet hat. Dort ist ein fünfzigjähriger Mann zu seiner ersten Impfung mit einem Silikonarm erschienen.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Er hoffte, mit dem falschen Bizeps das medizinische Personal zu täuschen und einen Green Pass zu bekommen, ohne tatsächlich geimpft zu sein. Er erledigte den Papierkram, unterschrieb die Einverständniserklärung vor dem Arzt, setzte sich auf den Stuhl und entblößte seine Schulter. Vielleicht war der Bizeps zu imposant für seine Erscheinung, oder die Haut wirkte zu straff, oder ihre Tönung passte nicht zum übrigen Teint: Die Impfhelferin schöpfte Verdacht und bat ihn, doch bitte den gesamten Arm zu entblößen. So flog der Schwindel auf.

          Bei Corona ist Schluss

          Das Flehen des Mannes, ein Auge zuzudrücken, ließ die Impfhelferin kalt. Sie zeigte den falschen Patienten wegen Betrugs bei den Carabinieri an – seine Personaldaten hatte der Mann zuvor ja schon selbst ausgefüllt. Die italienische Gesundheitsbehörde informierte die Staatsanwaltschaft.

          Nun ist es in Italien ja nicht unüblich, das fantasievolle Umgehen von staatlichen Regeln mit Respekt zu quittieren. Beim Thema Corona ist damit aber Schluss, dafür hat die Pandemie schon zu viele Menschenleben gefordert, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Entsprechend groß ist die Empörung, mit der man auf die Nachricht aus Biella reagiert. Dass der aufgeflogene No-Vax-Anhänger möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs ist und es anderen Impfgegnern möglicherweise schon gelungen sein könnte, sich mit der Silikon-Masche einen Green Pass zu erschleichen, diese Befürchtung legt eine Twitter-Nachricht nah, von der „La Repubblica“ berichtet: Ende November verwies dort ein User namens „Giuseppe Maria Natale“ (in kyrillischer Schrift) auf einen bei Amazon angebotenen Silikonanzug mit falschen Armen, Nacken und Muskeln für 488,75 Euro.

          Dazu hieß es auf Italienisch: „Ob sie bemerken werden, dass ich ihn trage? Vielleicht ziehe ich unter den Silikonanzug noch ein Kleidungsstück an, damit die Nadel auf keinen Fall meinen echten Arm erreicht.“ Gut möglich, dass solche Nachrichten auch schon unter deutschen Impfgegnern kursieren. Man sollte sich also besser jeden Arm gut anschauen, bevor man die Spritze setzt.

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