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Urteil in Italien : Assistierter Suizid nicht zwingend strafbar

Der Politiker Marco Cappato hatte sich selbst angezeigt – und damit das Verfahren angestoßen. Bild: EPA

Ein Mailänder Musiker wird durch einen Verkehrsunfall querschnittsgelähmt und äußert den Wunsch zu sterben. Ein Politiker der Radikalen Partei hilft ihm dabei. Ist das erlaubt? Italiens oberstes Gericht hat nun entschieden.

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          Das italienische Verfassungsgericht hat in einem Modellverfahren einstimmig geurteilt, dass Beihilfe zum Suizid unter bestimmten Bedingungen nicht strafbar ist. Wer das Suizidvorhaben einer Person unterstütze, die ihren Willen zum Sterben „autonom und frei gebildet“ habe, könne „unter gewissen Umständen“ nicht gemäß Artikel 580 des Strafgesetzbuches bestraft werden, heißt es in dem am Mittwochabend veröffentlichten Urteil. Das gelte für Patienten, die wegen unheilbarer Krankheiten unter körperlichen und seelischen Schmerzen litten, die sie für „nicht mehr tragbar“ hielten, und in der Lage seien, „freie und bewusste Entscheidungen“ zu treffen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bei dem Verfahren ging es um den Fall des Mailänder Musikers Fabio Antoniani, der unter dem Namen DJ Fabo bekannt geworden war. Antoniani war nach einem Verkehrsunfall im Juni 2014 vom Hals an abwärts querschnittsgelähmt, zudem hatte er das Augenlicht verloren. Nach mehreren erfolglosen Therapien äußerte er mehrfach seinen Wunsch zu sterben, zuletzt in einem gemeinsam mit seiner Verlobten eingespielten Videoappell an Präsident Sergio Mattarella.

          Der Politiker Marco Cappato von der Radikalen Partei, der sich seit Jahren für eine gesetzliche Regelung zum assistierten Suizid einsetzt, fuhr 2017 gemeinsam mit Antoniani in ein Hospiz der Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas, wo der damals 39 Jahre alte DJ nach Einnahme eines Medikamenten-Cocktails starb. Nach seiner Rückkehr nach Italien erstattete Cappato gegen sich selbst Anzeige, um das Verfahren anzustoßen.

          Der zu Verfahrensbeginn erhobenen Forderung des Gerichts an die Gesetzgeber, binnen zwei Jahren eine Regelung zur Sterbehilfe, zum assistierten Suizid und zur Patientenverfügung zu finden, kam das Parlament nicht nach. Cappato sagte nach dem Richterspruch: „Jetzt sind wir alle freier, auch die, die gegen uns sind.“ Der Vatikan und die katholische Bischofskonferenz kritisierten den Richterspruch. Das Urteil hat zwar nur Gültigkeit für den konkreten Fall, dürfte aber die Debatte über eine mögliche Reform des veralteten Paragraphen 580 neu anstoßen.

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