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Geldstrafe statt Gefängnis : Mildere Strafen in Israel für Konsum von Marihuana

Ein Mann hält in einem Gewächshaus in Birya im Norden von Israel eine Hanfpflanze (Archivaufnahme von Februar 2016). Hier wird Cannabis für medizinische Zwecke produziert. Das israelische Parlament hat Marihuanakonsum jetzt etwas entkriminalisiert. Bild: dpa

Wer in Israel mit Marihuana erwischt wird, muss künftig bloß noch ein Bußgeld zahlen und wird nicht weiter strafrechtlich verfolgt. Das gilt zumindest für Ersttäter.

          Das israelische Kabinett hat am Sonntag beschlossen, den Konsum von Marihuana zu entkriminalisieren. Jeder Ersttäter wird nach dem Reformentwurf nicht mehr verhaftet und strafrechtlich verfolgt, sondern nur noch mit einem Bußgeld von 1000 Schekel (rund 250 Euro) belegt. Bei wiederholtem Missbrauch verdoppelt sich das Bußgeld. Eine Haftstrafe droht jetzt theoretisch nur noch dem, der viermal erwischt wird.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Der kommerzielle Anbau und der Verkauf bleiben in Israel weiterhin strafbar. „Auf der einen Seite öffnen wir uns der Zukunft“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. „Auf der anderen verstehen wir die Gefahren und werden versuchen, dies abzuwägen.“ Ein Ministerkomitee soll den Beschluss in eine Gesetzesvorlage bringen.

          Israelis sind der Droge nicht abgeneigt. Laut einem Bericht der Drogenbehörde der Vereinten Nationen konsumieren neun Prozent der Bevölkerung Cannabis. Manche glauben, diese Zahlen seien noch untertrieben. Die Abgeordnete Tamar Zandberg (Meretz) sagte am Sonntag, der Beschluss sende ein Signal an „eine Million Israelis, die Marihuana konsumieren“. Eine vollständige Legalisierung von Marihuana sei „nur noch eine Frage der Zeit“.

          25.000 Israelis dürfen aus medizinischen Gründen kiffen

          Eine israelische Polizeistatistik gibt für 2015 nur noch 188 Verhaftungen wegen des Konsums von Marihuana in der Freizeit an. Das sind rund 50 Prozent weniger Verhaftungen als 2010.

          Marihuana wird in Israel an mehr oder weniger geheim gehaltenen Orten bereits kontrolliert gezüchtet. Rund 25.000 Israelis besitzen eine Lizenz, um aus medizinischen Gründen kiffen zu dürfen. Israel gilt in der Marihuanaforschung als führend in der Welt und plant, den Export von medizinischem Cannabis demnächst zu erlauben.

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