https://www.faz.net/-gum-9lfjt

Aufruhr in Essen : Ermittlungen wegen Mordes nach Irrfahrt durch Fußgängerzone

  • Aktualisiert am

Essen: Der mutmaßliche Verdächtige wird von Polizeibeamten abgeführt Bild: Stephan Witte

Als in Essen ein Mann durch eine Fußgängerzone fährt, löst die Polizei einen Anti-Terror-Einsatz aus. Elf Männer wurden zeitweise festgenommen, gegen den Fahrer wurde Haftbefehl erlassen.

          Am Freitag löste die Irrfahrt eines jungen Mannes einen Anti-Terror-Einsatz in zwei Bundesländern aus. Nun ermittelt die Polizei im Fall des 19 Jahre alten Mannes, der am Freitag in Essen mit seinem Wagen durch eine Fußgängerzone gefahren sein soll, wegen versuchten Mordes. Am Samstag erließ ein Richter Haftbefehl gegen ihn, wie die Polizei Essen mitteilte. „Das Motiv und die Hintergründe der Tat sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, hieß es. Weitere Einzelheiten zu dem Fall wurden zunächst nicht bekannt.

          Der in Essen lebende polizeibekannte Tadschike war am Freitagmorgen in einem Auto mit laut Polizei „deutlich überhöhter Geschwindigkeit“ durch eine Fußgängerzone in der Innenstadt gefahren. Spezialkräfte nahmen den Mann später fest. Zu Schaden kam durch die Irrfahrt selbst niemand – doch erlitten bei der Festnahme der Verdächtige und ein Polizist leichte Verletzungen.

          Die Fahrt durch die Fußgängerzone war am Freitag Auslöser für einen Anti-Terror-Einsatz der Polizei in zwei Bundesländern. Die Ermittler konnten zunächst nicht ausschließen, dass der Tadschike in Essen zu einer schon länger beobachteten Gruppe mutmaßlicher IS-Anhänger mit mehreren tadschikischen Mitgliedern gehörte. Befürchtet wurde laut Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, dass die Tat in Essen „Auftakt ist für mehrere Anschlagsszenarien“. Dies habe sich aber nicht bestätigt, sagte ein Behördensprecher. Zwischen beidem gebe es keinen Zusammenhang.

          Verdacht auf einen Terroranschlag

          Bei dem Anti-Terror-Einsatz waren am Freitag und Samstag in elf Städten Objekte auf Waffen und Sprengstoff durchsucht worden. Aus Furcht vor einem Terroranschlag ist die Polizei in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gegen eine mutmaßliche Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgegangen. Beamte durchsuchten am Freitag und Samstag Objekte in zehn Städten Nordrhein-Westfalens sowie in Ulm. Gesucht wurde nach Sprengstoff und Waffen, wie die federführende Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf am Samstag mitteilte. Elf Männer im Alter von 22 bis 35 Jahren wurden zeitweise festgenommen, überwiegend Tadschiken, aber auch ein deutscher Staatsangehöriger und ein Türke. Der Verdacht: Sie sollen etwas zu tun haben mit der Vorbereitung eines Terroranschlags. Ihre Freilassung wurde angeordnet, nachdem keine Waffen und Sprengstoff gefunden wurden.

          Das Ermittlungsverfahren läuft offenbar schon länger: Ermittelt wird gegen eine Gruppe von mindestens sechs der elf Personen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, Daniel Vollmert, am Samstag sagte.

          Dort ist die Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen (ZenTer NRW) angesiedelt, die die Federführung aufhat. Die Polizei wirft der Gruppe vor, sich entweder als Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder als deren Sympathisanten Waffen und Sprengstoff verschafft zu haben. Damit hätten sie einen Anschlag in Deutschland geplant. Hinweise auf konkrete Ziele oder eine konkrete Tat gebe es jedoch nicht, betont der Sprecher. Es gebe aber eine „grundsätzliche allgemeine Befürchtung“.

          Weitere Themen

          Die Garzweiler Gratwanderung

          Kohleproteste in NRW : Die Garzweiler Gratwanderung

          Klimabewegte Jugendliche demonstrieren neben radikalen Aktivisten im Braunkohlerevier. Die Polizei warnt die Schüler von Fridays for Future eindringlich vor einer Instrumentalisierung und Straftaten, doch die wollen davon nichts wissen.

          Der lange Zug von Aachen

          „Fridays for Future“ : Der lange Zug von Aachen

          Die Klimabewegung versammelt in Aachen Zehntausende Menschen. Zum ersten Mal hat sie bewusst alle Altersgruppen angesprochen. Doch die Solidarisierung von „Fridays for Future“ mit radikalen Braunkohlegegnern macht der Polizei Sorgen.

          Alles Liebe, wo immer du auch bist

          Entführung nach Italien : Alles Liebe, wo immer du auch bist

          Ein Mädchen, 13 Jahre alt, verschwindet – und taucht sechs Jahre später wieder auf. Der Mann, der Maria H. mit nach Italien nahm, wurde verhaftet. Jetzt geht der Prozess gegen H. wegen Kindesentführung und sexuellen Missbrauchs zu Ende.

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Wie ein Bumerang

          In Wiesbaden und Berlin bestimmt der Fall Stephan E. die Tagesordnungen. Nicht nur die Frage nach dessen Bezügen zum NSU ist noch zu klären. Die Grünen beklagen eine „eklatante Analyseschwäche“ des Verfassungsschutzes.
          Der Hedgefonds Elliott hat seinen Einstieg bei Bayer publik gemacht.

          Wegen seiner Mischstruktur : Elliott macht Bayer jetzt richtig Druck

          Der amerikanische Hedge-Fonds lässt Andeutungen fallen, die als Aufforderung zur Aufspaltung interpretiert werden können. Ganz nebenbei bestätigt er: Man ist mit einem 2-Prozent-Paket am Mischkonzern beteiligt.

          Trumps neue Sprecherin : Schroff und höchst loyal

          Donald Trump macht Stephanie Grisham, die Stimme der First Lady, zu seiner Sprecherin. Sie wird auch Chefin für strategische Kommunikation – eine machtvolle Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.