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Innerhalb von vier Tagen : Zwei Selbstmorde in der JVA Siegburg

  • Aktualisiert am

Abermals in den Schlagzeilen: Die JVA Siegburg Bild: dpa

Zwei Selbstmorde in vier Tagen: Abermals ist das Siegburger Gefängnis in den Schlagzeilen. Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter sieht allerdings auschließlich persönliche Probleme der Häftlinge als Ursache für deren Suizid.

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          Innerhalb von vier Tagen haben sich zwei junge Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Siegburg in Nordrhein- Westfalen in ihrer Zelle erhängt. Am Mittwochmorgen war ein 20-Jähriger, der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin zu neun Jahren Jugendstrafe verurteilt worden war, tot in seiner Einzelzelle gefunden worden. Erst am vergangenen Sonntag hatte sich ein 19 Jahre alter Häftling, der wegen Eigentumsdelikten eine Jugendstrafe verbüßte, am Fenstergitter seiner Zelle erhängt. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) war Ende 2006 nach einem Foltermord an einem Häftling in die Schlagzeilen geraten.

          Nordrhein-Westfalens Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) betonte, der 20-Jährige sei nach zwei vorausgegangenen Inhaftierungen am 20. März in die JVA Siegburg bei Bonn gekommen und seitdem in psychologischer und psychiatrischer Behandlung gewesen. Es habe keinerlei Hinweise auf eine Suizidgefahr gegeben. Der junge Mann habe in einem Abschiedsbrief von persönlichen Problemen seit seinem zwölften Lebensjahr berichtet und geschrieben: „Es musste passieren, jetzt ist es soweit.“ Es werde zwar weiter ermittelt, ein Fremdverschulden sei aber auszuschließen, erklärte die Ministerin. Auch bei dem 19-Jährigen, der in seiner Zelle ebenfalls einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte, gehen die Ermittler klar von Suizid aus.

          Schon ein Vorfall im Jahr 2006

          In der Siegburger JVA war der 20-jährige Häftling Hermann H. Ende 2006 von drei jungen Mitgefangenen elf Stunden lang gequält, vergewaltigt und schließlich gezwungen worden, sich zu erhängen. Die drei Täter waren 2007 zu Freiheitsstrafen zwischen zehn und 15 Jahren verurteilt worden.

          Damals hatte Müller-Piepenkötter einen Rücktritt ausgeschlossen. „Hier geht es nicht um politische Verantwortung“, sagte sie im Deutschlandfunk. „Diese Situation erfordert nicht einen Menschen, der sein Amt hinwirft und vor der Verantwortung davonläuft. Sie erfordert einen Menschen, der sein Amt mit Verantwortung ausübt.“

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