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Urteil in Indonesien : Todesstrafe für Lehrer wegen Vergewaltigung von 13 Schülerinnen

  • Aktualisiert am

Die Gerichtsverhandlung in Bandung im Februar. Bild: Reuters

Ein Gericht in Indonesien hat den Schuldirektor zum Tode verurteilt. Sein Vermögen soll eingezogen und zur Entschädigung der Opfer eingesetzt werden. Der Fall sorgt im ganzen Land für Aufsehen – und lässt Forderungen nach einem Gesetz laut werden.

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          Ein indonesisches Berufungsgericht hat am Montag einen 36 Jahre alten Schuldirektor wegen Vergewaltigung von mindestens 13 Schülerinnen zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof in der Stadt Bandung auf der Insel Java hob damit eine lebenslange Haftstrafe auf, die zuvor ein niederrangigeres Gericht gegen den Leiter eines islamischen Internats verhängt hatte. Die Berufung hatte die Staatsanwaltschaft eingelegt – sie wollte eine härtere Bestrafung des Mannes.

          Das Gericht ordnete außerdem an, dass sein Vermögen eingezogen und zur Entschädigung seiner Opfer im Alter von 14 bis 20 Jahren verwendet wird. Der Mann war im vergangenen Mai verhaftet worden, nachdem Vergewaltigungsvorwürfe in dem Internat an die Öffentlichkeit gelangt waren. Während seines ersten Prozesses im Januar gab er sein Fehlverhalten zu und entschuldigte sich bei seinen Opfern.

          Der Fall ließ Forderungen laut werden, die Regierung des vorwiegend muslimischen Landes und das Parlament müssten Beratungen über ein Gesetz zur Verhinderung sexueller Gewalt beschleunigen. Einige konservative muslimische Gruppen lehnen den Gesetzentwurf ab, weil er ihrer Meinung nach Promiskuität fördere, da er außerehelichen Sex und gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht unter Strafe stelle.

          Auch auf die Zustände in islamischen Internaten wirft der Fall ein Schlaglicht. In Indonesien gibt es mehr als 25.000 islamische Internate, die sogenannten Pesantren, in denen fast fünf Millionen Schülerinnen und Schüler leben und lernen. Nach dem regulären Unterricht haben sie oft noch bis in den Abend hinein Religionsunterricht.

          Fall sorgt für Aufsehen

          Die Vergewaltigungen hatten in ganz Indonesien für Aufsehen gesorgt. Aktivistinnen und Aktivisten kritisieren, dass oft den betroffenen Mädchen und Frauen die Schuld gegeben werde, obwohl sie die Opfer sexueller Gewalt seien. Nach Angaben des indonesischen Ministeriums für Frauenförderung und Kinderschutz wurden allein zwischen Januar und November 2021 mindestens 8.800 Fälle sexueller Gewalt bekannt.

          Im vergangenen Jahr wurden zwei Lehrer eines Internats in Süd-Sumatra festgenommen, die 26 männliche Schüler sexuell missbraucht haben sollen. 2020 wurde ein Lehrer in Ost-Java zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er 15 Schülerinnen missbraucht hatte.

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