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Indien : Notrufnummer in Not

  • -Aktualisiert am

Wegen der hohen Zahl an Vergewaltigungen wurde in Indien eine Notrufnummer für Frauen eingerichtet. Jeden Tag gehen Tausende Anrufe ein. Doch nun steht das Angebot vor dem Aus.

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          Es war eine der ersten Maßnahmen, die nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung in Delhi im Dezember 2012 ergriffen wurden: Schon wenige Tage nach der brutalen Tat wurde die unentgeltliche Notrufnummer 181 ins Leben gerufen. Seither bekommen Frauen in Not unter dieser Nummer rund um die Uhr schnell Hilfe. Doch nun ist die Notrufnummer selbst in Not. Die Initiative steht vor einer ungewissen Zukunft. Ihr droht das Aus.

          Khadijah Faruqui ist besorgt. Die 43 Jahre alte Frauenrechtsaktivistin leitet die Hotline. „Wir haben seit zwei Monaten kein Gehalt bekommen“, klagt sie. Als im Dezember in Delhi eine neue Stadtregierung gewählt wurde, waren auch die Verträge der Notrufmitarbeiter ausgelaufen. Die neue Regierung ist nach nur 49 Tagen im Amt inzwischen aber schon wieder zurückgetreten. Seither ist die indische Hauptstadt ohne gewählte Regierung, Delhi steht unter „präsidentieller Verwaltung“. Khadijah Faruqui wies deshalb vor einigen Tagen in einem Brief an den geschäftsführenden Gouverneur auf die finanzielle Notlage der Notrufnummer hin. Als Anfang der Woche die Missstände dann auch noch öffentlich wurden, bekamen die Angestellten ihre ausstehenden Gehälter überwiesen. Selbst ihre Arbeitsverträge wurden verlängert – bis Ende des Monats.

          Dabei handelt es sich bei der 181-Notrufnummer um ein Vorzeigeprojekt in Indien. Denn auch 14 Monate nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung ist die Polizeistatistik für Delhi noch immer erschütternd: Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen allein in der indischen Hauptstadt von 706 auf 1450 gestiegen. Die Dunkelziffer, da sind sich alle Fachleute einig, liegt wahrscheinlich noch sehr viel höher. Die Gesetze zum Schutz der Frauen wurden zwar verschärft und Polizisten angewiesen, Frauen bei einer Anzeige menschenwürdig und vertrauensvoll zu behandeln, doch die Umsetzung ist noch immer mangelhaft.

          Nach einem 181-Notruf werden die Hilfesuchenden je nach Schwere des vorliegenden Falls an Polizei, Krankenhäuser oder andere Hilfsorganisationen weitervermittelt. In den ersten Tagen nach der Gründung gingen täglich mehr als 10.000 Anrufe ein. Auch 14 Monate später nehmen die Mitarbeiterinnen jeden Tag zwischen 2500 und 3000 Anrufe entgegen. Rund 40 Prozent der anrufenden Frauen berichteten von Vergewaltigungen, versuchten Vergewaltigungen, von sexueller Belästigung und häuslicher Gewalt, erzählt Khadijah Faruqui. Bei den übrigen Fällen handele es sich meist um Säureattacken und Entführungen. Gut 86 Prozent der Straftaten gegen Frauen, die bei der Polizei in Delhi eingingen, würden allein von ihrer Stelle gemeldet.

          Mittlerweile arbeiten 17 Angestellte bei der 181-Notrufnummer. Es sind Frauen mittleren Alters, Studentinnen und alleinerziehende Mütter. „Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, um diese Notrufnummer zu ermöglichen“, sagt Faruqui. Nun seien auch ihre Mitarbeiterinnen in Not. Die Familien der Angestellten sind dringend auf das Gehalt angewiesen. Manche müssen sich nun zwischen dem Projekt und dem eigenen Unterhalt entscheiden. Einige wurden von ihren Angehörigen schon gebeten, den Job bei der Notrufnummer aufzugeben und sich eine neue Arbeit zu suchen. Eine mit Verträgen über das Monatsende hinaus.

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