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Indien : Festnahmen nach Vergewaltigung einer Schweizerin

  • -Aktualisiert am

Polizistinnen begleiten das Opfer auf dem Weg ins Krankenhaus. Bild: AP/dpa

Nachdem eine Schweizerin in Indien von einer Gruppe von Männern vergewaltigt worden ist, hat die Polizei fünf mutmaßliche Täter festgenommen. Sie sollen die Tat bereits gestanden haben. Nach einem sechsten Mann wird gefahndet.

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          Sie waren auf dem Weg zum wohl berühmtesten Grabmal der Welt, dem Taj Mahal im indischen Agra. Seit vergangenem Monat reisten die beiden Schweizer Touristen schon durch Indien, zuvor waren sie in Iran gewesen. Am Donnerstag hatten sie die historische Tempelstadt Orchha im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh besichtigt. Nun wollten die 39 Jahre alte Schweizerin und ihr 29 Jahre alter Ehemann nach Agra, zum Taj Mahal - und zwar mit dem Fahrrad. Es war Freitagabend, als die beiden entschieden, im Wald nahe der Stadt Datia zu zelten.

          Acht Männer an Tat beteiligt

          Gegen 21 Uhr, die beiden Urlauber hatten gerade zu Abend gegessen, wurden sie plötzlich von acht mit Stöcken bewaffneten Männern attackiert. Vier Männer hätten dann seine Frau vergewaltigt, während die anderen vier ihn festhielten, sagte der Ehemann später der Polizei. Eine Stunde soll das Martyrium gedauert haben, ehe die Täter noch Bargeld, Kamera, den Laptop und die Mobiltelefone der beiden Reisenden stahlen und flüchteten. Gegen 23 Uhr wurden die beiden Schweizer von zwei indischen Motorradfahrern entdeckt. Wild gestikulierend stand die Frau am Straßenrand und machte auf sich aufmerksam. Doch die beiden Motorradfahrer verstanden kein Englisch. Es dauerte eine Weile, ehe sie begriffen, was geschehen war. Sofort brachten sie die Touristen zur nächsten Polizeistation. Da auch dort niemand Englisch sprechen konnte, bat man den Englischprofessor der städtischen Hochschule um Hilfe. Er übersetzte für die beiden, so dass der Fall aufgenommen werden konnte.

          Anschließend wurde die Schweizerin ins städtische Krankenhaus gebracht. Doch dort gab es keine Ärztin, die an der Frau die notwendige Untersuchung hätte vornehmen können. So brachte man die Touristen in das Kinder- und Frauenkrankenhaus in der knapp 70 Kilometer entfernt liegenden Stadt Gwalior. Die Ärzte dort bestätigten schließlich, dass die Frau mehrfach brutal vergewaltigt worden war. Zudem weise ihr Körper zahlreiche Prellungen und Quetschungen auf.

          Schweizer Botschaft fordert schnelle Aufklärung

          Die Polizei startete unterdessen eine Großfahndung. Entsprechend der Täterbeschreibung seien seit Samstag 20 Bewohner verhört worden. Fünf mutmaßliche Täter wurden inzwischen festgenommen. Die Männer seien von der Frau und ihrem Ehemann identifiziert worden. „Sie haben die Gruppenvergewaltigung und den Angriff auf den Ehemann zugegeben“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Nach einem sechsten Verdächtigen werde weiter gesucht.

          Unterdessen wurden die beiden Schweizer zur weiteren medizinischen Behandlung in die Hauptstadt Delhi gebracht. In einer ersten Reaktion zeigte sich die Schweizer Botschaft schockiert angesichts des grausamen Verbrechens. „Wir sind zutiefst erschüttert“, hieß es in einer Mitteilung. Man fordere eine schnelle Aufklärung des Falls. Der Botschafter habe inzwischen mit der Frau und ihrem Mann sprechen können. Vor allem die Gesundheit der beiden Touristen stehe nun im Vordergrund.

          „Regierung verhält sich, als wäre nichts passiert.“

          Die Vorsitzende der Nationale Frauenkommission, Mamta Sharma, erhebt unterdessen schwere Vorwürfe: „Ich rede seit Tagen darüber, dass die Zahl der Angriffe auf Frauen in Madya Pradesh steigt. Dagegen muss dringend etwas getan werden. Aber die Regierung verhält sich, als wäre nichts passiert.“ Erst im vergangenen Monat war eine Koreanerin von einem Hotelmanager im Tiger-Reservat Bandhavgarh vergewaltigt worden.

          Radhelal Baghel von der oppositionellen Bahujan Samaj Partei sagte, dies sei bereits der fünfte Vergewaltigungsfall im Distrikt Datia im Bundesstaat Madya Pradesh innerhalb der vergangenen zwei Monate. Datia sei zum Zufluchtsort für Kriminelle geworden.

          Unterdessen gab der Innenminister des Bundesstaates Madhya Pradesh den beiden Schweizer Touristen indirekt eine Mitschuld. Touristen würden oft die Regeln missachten, sagte Uma Shankar Gupta am Sonntag in Bhopal. „Wenn ausländische Touristen kommen, dann sollten sie die Polizeipräsidenten der Distrikte, die sie besuchen, über ihre Reisepläne informieren“, sagte der Gupta. Dann könne für ihre Sicherheit gesorgt werden.

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