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Volk der Yanomami bedroht : Gold oder Leben

Yanomami folgen im April 2016 Beamten der brasilianischen Umweltbehörde im Einsatz gegen illegale Goldgräber auf ihrem Territorium. Bild: Reuters

In Brasilien bedrohen Goldgräber und Rauschgiftbanden das Volk der Yanomami. Laut eines Bundesgerichts müsste der Staat die Eindringlinge entfernen – doch bisher ignorierte die Regierung das Urteil.

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          Mehrere Boote nähern sich auf dem Fluss dem Yanomami-Dorf Palimiu. Das Handy eines Dorfbewohners filmt mit. Dann fallen Schüsse, Panik bricht aus. Die Indigenen setzen sich zur Wehr, töten drei der weißen Eindringlinge und nehmen einen gefangen, den sie später der Polizei übergeben. Tags darauf kommt es wieder zu einem Schusswechsel auf dem Uraricoera-Fluss, diesmal erwidert jedoch eine Einheit der Bundespolizei das Feuer.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Angreifer stammten aus einem nahegelegenen Goldgräber-Camp, einem von unzähligen im Gebiet der Yanomami, dem mit fast 100.000 Quadratkilometern größten indigenen Territorium Brasiliens. Seit Jahrzehnten kämpfen die rund 27.000 verbliebenen Yanomami mit Eindringlingen, die es vor allem auf die Goldvorkommen abgesehen haben. Angetrieben vom hohen Goldpreis und der geringen Kontrolle durch die Behörden, ist die Zahl der illegalen Goldsucher im Gebiet in den vergangenen Jahren auf mehr als 20.000 angestiegen, was zu Umweltschäden, Epidemien und Konflikten mit den Yanomami geführt hat. Auch das Coronavirus haben Goldsucher eingeschleppt.

          Vermutlich ist das organisierte Verbrechen involviert

          Bei den Angreifern auf das Dorf Palimiu handelte es sich jedoch nicht nur um Goldgräber, sondern wahrscheinlich auch um Mitglieder des „Ersten Hauptstadtkommandos“ (PCC). Die aus São Paulo stammende Verbrecherorganisation hat die Kontrolle des Schmuggels in Roraima übernommen. Der Bundesstaat und ein Teil des Yanomami-Territoriums grenzen an Venezuela. Von dort werden Rauschgift, Waffen und illegales Gold nach Brasilien geschmuggelt.

          Rund 27.000 Yanomami leben auf 100.000 Quadratmeter großen Territorium.
          Rund 27.000 Yanomami leben auf 100.000 Quadratmeter großen Territorium. : Bild: Reuters

          Es sei nicht normal, dass Goldgräber auf Beamte der Bundespolizei das Feuer eröffneten, sagte einer der Bundespolizisten dem Newsportal Amazônia Real. Die Beteiligung der Verbrecherorganisationen werde untersucht. Die Aktivitäten des organisierten Verbrechens im Yanomami-Territorium sind eine neue Komponente. Goldgräber in der Region bestätigen die Präsenz von brasilianischen und venezolanischen Verbrecherorganisationen in den Goldgräber-Camps. Neben den Leuten des PCC sollen sich Mitglieder der venezolanischen Organisation „Tren de Arágua“ im Gebiet aufhalten. Die Goldgräber bestreiten jedoch, gemeinsam mit dem PCC das Indigenen-Dorf angegriffen zu haben. Sie behaupten, die Indigenen hätten zuerst geschossen. Hintergrund der Auseinandersetzung könnte eine Aktion der Yanomami gegen die Goldsucher vor zwei Wochen gewesen sein, bei der die Indigenen rund 1000 Liter Treibstoff erbeuteten.

          Die Verflechtungen zwischen Schmugglern, Verbrecherorganisationen und Goldsuchern sind für die Indigenen eine zusätzliche Gefahr. Schon die Anwesenheit der Goldsucher hat sich zu einer steten Bedrohung entwickelt. Seit Jahren kämpfen die Yanomami für eine Vertreibung der Goldgräber aus ihren Gebieten. Auch die Staatsanwaltschaft warnte vor eine Zunahme von gewalttätigen Konflikten zwischen Goldgräbern und Indigenen.

          Schon im vergangenen Jahr war es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung gekommen, bei der zwei Indigene getötet wurden. In diesem Jahr verfügte das Bundesgericht in Roraima auf Antrag der Staatsanwaltschaft, dass der Staat die Eindringlinge aus dem Territorium der Yanomami zu entfernen habe. Bisher hat die Regierung das Urteil ignoriert. Präsident Jair Bolsonaro hat sich wiederholt mit den Goldgräbern verbrüdert und sie als „ehrliche Leute“ bezeichnet. Mehrere Gesetzesvorlagen in Brasilien wollen eine Öffnung der Indianergebiete für den Bergbau.

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