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Im Jobcenter : Polizistin erschießt Frau nach Messerangriff

Der Sicherheitsdienst des Jobcenters alarmierte um kurz vor 9 Uhr die Polizei Bild: F.A.Z.-Frank Röth

Nach einem Streit in einem Jobcenter in Frankfurt ist eine 39 Jahre alte Frau von einer Polizistin niedergeschossen worden und wenig später im Krankenhaus gestorben. Die Frau hatte zuvor einen Polizisten mit einem Messer angegriffen und verletzt.

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          Eine Polizeibeamtin hat am Donnerstagmorgen in einem Frankfurter Jobcenter eine 39 Jahre alte Nigerianerin erschossen, offenbar in Notwehr. Nach ersten Erkenntnissen war die Frau kurz vor neun Uhr in dem Amt erschienen, um sich einen Antrag bewilligen zu lassen. Offenbar ging es um Bezüge, die sie als Ausländerin einfordern wollte. Als ihr diese verwehrt wurden, begann die Afrikanerin zu randalieren und wurde ausfallend. Die Mitarbeiter des Jobcenters verständigten daraufhin den internen Sicherheitsdienst, der die Frau aufforderte, das Gebäude zu verlassen. Als sie sich weigerte, rief der Sicherheitsdienst die Polizei.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der genaue Tatablauf war zunächst nicht klar. Fest stand jedoch, dass die Frau, als die Beamten ihre Personalien kontrollieren wollten, ein Messer zog und einen der Beamten angriff. Dabei traf sie ihn mit einem Filetiermesser so unglücklich unter der Schutzweste, dass der Polizist durch den Stich schwer verletzt wurde. Seine Kollegin zog daraufhin die Waffe und gab einen Schuss ab. Die Frau wurde am Oberkörper getroffen und starb wenige Stunden später in einem Krankenhaus. Die Polizistin, die den Schuss abgegeben hatte, erlitt einen Schock.

          Offenbar war das Jobcenter als Außenstelle der Frankfurter Zentrale zuständig für „besondere Fälle“. Wie zu hören war, werden dort vor allem Suchtkranke und Obdachlose betreut. Ob dies auch auf die Nigerianerin zutrifft, war nicht klar. Möglicherweise war die Frau zum ersten mal auf diesem Amt. Dem Vernehmen nach hatte die Neununddreißigjährige zuvor schon das Frankfurter Ausländeramt aufgesucht und dort Geld gefordert. Als man ihr dort sagte, dass Bargeldauszahlungen nicht mehr üblich seien, suchte sie offenbar das Jobcenter auf.

          Der Zustand des verletzten Polizisten ist stabil, er erlitt einen Stich in den Bauch und einen Schnitt am Arm
          Der Zustand des verletzten Polizisten ist stabil, er erlitt einen Stich in den Bauch und einen Schnitt am Arm : Bild: F.A.Z.-Frank Röth

          Wann dürfen Polizisten schießen?

          Polizisten schießen in Deutschland im Schnitt fast jede Woche mit ihren Dienstwaffen auf Menschen. Nach Angaben der Bundesländer haben Beamte in den Jahren von 1998 bis einschließlich 2009 deutschlandweit 547 Mal gezielt auf jemanden gefeuert. Für 2010 und 2011 liegen noch laut Bundesinnenministerium noch keine Zahlen vor.

          Für den „polizeilichen Schusswaffengebrauch“, so der Fachbegriff, gelten eindeutige gesetzliche Regeln. Die Beamten dürfen ihre Waffen nur in Extremsituationen einsetzen. Neben Notwehr als häufigstem Grund ist das Schießen im Ernstfall auch erlaubt, wenn etwa schwere Verbrechen oder die Flucht eines gefährlichen Täters nicht anders zu verhindern sind. Immer muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Falls noch möglich, muss der Gebrauch der Waffe angedroht oder ein Warnschuss abgefeuert werden - wenn es die Umgebung zulässt.

          In der Mehrzahl der Fälle sind die Schüsse nicht tödlich: In den genannten bundesweit 547 Fällen (1998 bis 2009) gab es 87 Tote und 309 Verletzte. Meistens handelten Polizisten in einer klaren Notwehrsituation. (dpa)

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