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Mord an der Isar : Bayern betritt kriminalistisches Neuland

Hier geschah es: Auf dem Radweg zwischen deutschem Museum (links) und Europäischem Patentamt (rechts) erstach ein Unbekannter Domenico L. Bild: Jan Roeder

In München wird die erweiterte DNA-Analyse eingesetzt, um den Mörder von Domenico L. zu fassen. Ermittler erfahren so, welche Haar-, Augen- und Hautfarbe der Täter vermutlich hat. Das ist in Deutschland eigentlich noch verboten.

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          Der Mörder trug einen Mantel oder eine lange Jacke. Und er hatte eine normale Statur. Das ist die Täterbeschreibung. Es gibt keine Zeugenangaben zur Haarfarbe, nichts zur Farbe seiner Augen, keinen Hinweis, ob er einen Bart oder Glatze trug, eine markante Nase oder ein schmales Gesicht hatte. Keine Informationen darüber, ob er Deutsch sprach oder nicht, mit Dialekt oder ohne. Man könnte auch nach einem Gespenst im Mantel suchen. Einem Gespenst, das an einem lauen Maiabend vor sechs Jahren im Halbdunkel auf einem Gehweg in München einem jungen Mann ein Messer mehrfach in den Körper rammte. Und dann nicht davonrannte, sondern zügigen Schrittes einfach so in der Dämmerung verschwand.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es gibt keinen Tag, an dem Holger Smolinsky nicht über den Mörder nachdenkt, der am 28. Mai 2013 in München den 31 Jahre alten Italiener Domenico L. aus dem Leben riss. Das liegt nicht nur daran, dass Smolinsky als Kriminalhauptkommissar im Münchner Morddezernat mit dem Fall „Cornelius“ betraut ist, benannt nach der Cornelius-Brücke an der Isar, in deren Nähe der Mord geschah. Wenn Smolinsky, seit 28 Jahren Polizist, dunkelblauer Anzug, das eisgraue Haar exakt geschnitten, davon spricht, den Mörder unbedingt fassen zu wollen, ganz gleich, wie lange es dauert, dann liegt das auch daran, dass der Täter durch seine Vorgehensweise als extrem gefährlich gilt. Und daran, dass der Mörder an diesem Abend das Leben so vieler Menschen aushebelte: der Familie des Opfers, seiner Lebensgefährtin, seiner Freunde. Domenico L., dieses Bild ergibt sich für Smolinsky aus den vielen Gesprächen mit Menschen, die ihn kannten, war ein liebenswerter, zugewandter, humorvoller Mensch. Er spielte Fußball im Verein, sprach mehrere Sprachen, hatte als Ingenieur einen vielversprechenden Job. „Er war noch so jung. Und er hatte noch so viel vor.“

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