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Fritz Schramma im Interview : „Raser sind potentielle Mörder“

„Er hätte nicht gewollt, dass ich mein Amt aufgebe“: Fritz Schramma war gerade Oberbürgermeister von Köln geworden, als sein Sohn von Rasern getötet wurde. Bild: Stefan Finger

Fritz Schramma, der ehemalige Oberbürgermeister von Köln, verlor seinen Sohn Stephan durch Raser. Hier spricht er über Konsequenzen für illegale Autorennen, die deutsche Justiz und Erinnerungen an seinen Sohn.

          5 Min.

          Herr Schramma, allein in Nordrhein-Westfalen hat es seit Jahresbeginn schon mehr als 100 illegale Autorennen gegeben, bei denen es zu einem Dutzend Unfällen gekommen ist. Am Ostermontag wurde in Moers eine unbeteiligte Autofahrerin bei einem mutmaßlichen Raser-Duell getötet. Was geht Ihnen bei solchen Nachrichten durch den Kopf?

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Das ruft bei mir und meiner Frau Ulla immer wieder die eigenen Erinnerungen hervor. Unser Sohn Stephan stand am 31. März 2001 mitten in Köln mit seiner Freundin an einer Fußgängerampel, als er aus heiterem Himmel durch zwei Raser starb. Es ist unfassbar, dass sich immer wieder junge Männer nach all den schrecklichen Unfällen, über die viel berichtet wird, ohne jede Rücksicht auf andere zu Rennen verabreden. An die Behauptung, das geschehe oft spontan, glaube ich übrigens nicht: Die Täter haben ihre Autos meist aufgemotzt oder wählen bewusst PS-starke Wagen. Diese Rennwagen machen doch die Grundeinstellung deutlich. Viele Raser wollen sich bewusst vom normalen Verkehr ab- und über die Regeln hinwegsetzen. Meine Frau und ich fanden es unerträglich, mit welcher Milde Raser in den vergangenen Jahren von Gerichten behandelt wurden, selbst wenn Menschen ihr Leben verloren hatten. Noch heute spielen Opfer bei den Verfahren eine viel zu geringe Rolle.

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