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Illegale Autorennen : Oft wollen die Raser nur Welle machen

  • -Aktualisiert am

Auf dem Kurfürstendamm ist jeder unterwegs: vom Hartz-IV-Empfänger im geliehenen Auto bis hin zum Prominenten. Bild: Matthias Lüdecke

Der Berliner Kurfürstendamm ist ein Hotspot für Raser und Poser. Es gibt viele Zuschauer und damit auch eine große Bühne. Und es gibt die Polizei, die das unterbinden will.

          5 Min.

          Am Straßenrand des Kurfürstendamms taucht eine Blondine mit stark rotgeschminkten Lippen auf. In der Hand hält sie – ganz lässig – eine Kippe. Sie wirft einen Blick durch das Fenster des blauen Audi SQ7, fixiert den Beifahrer, lächelt vielsagend und ruft ihm zu: „Hey Süßer! Hast du Whatsapp?“ Doch ihr Spruch verfängt nicht. Sie schlendert fort und lässt den Beifahrer zurück. Er wird noch eine Weile auf seinen Freund, den Fahrer, warten müssen, der mit Polizeibeamten auf der Toilette des Alt-Berliner Biersalons verschwunden ist, um eine Urinprobe abzugeben. Er würde niemandem etwas zuleide tun, hatte der Fahrer gesagt. Sein Vorstrafenregister widerspricht ihm. Körperverletzung, heißt es über Funk. Eigentlich wollen die zurückgebliebenen Polizeibeamten Feierabend machen. Ob der Verdächtige vielleicht auf der Toilette etwas im Schilde führt, aggressiv wird? Die Beamten bleiben entspannt. „Der Lauch“, sagt einer, „haut die nicht weg.“

          Tim Niendorf

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Der „Lauch“, von dem die Beamten sprechen, hat seine Bühne gesucht und gefunden. Den Kurfürstendamm in Berlin, kurz: Ku'damm. Vor dem Alt-Berliner Biersalon sitzt die Schar der unfreiwilligen Schaulustigen, die sich bei einem Aperol Spritz das Treiben vor ihren Augen anschaut, eine etwa vierstündige Polizeikontrolle in unmittelbarer Nähe zu jenem Ort, an dem sich Hamdi H. und Marvin R. in der Nacht zum 1. Februar 2016 ein illegales Autorennen lieferten, mit 170 Kilometern in der Stunde an elf roten Ampeln vorbeirasten und einen Unbeteiligten zu Tode fuhren. Es war ein Unfall, der bundesweit Schlagzeilen machte und dem ein Urteil folgte, das es für Raser in Deutschland bis dahin noch nicht gegeben hatte: Mord. Seither hat die Polizei die Kontrollen in Berlin verschärft, vor allem am Ku'damm, dem Hotspot für Raser und Poser. Doch hat es etwas genützt?

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