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Illegale Autorennen : Mit hundert durch die Stadt

Wenn es dunkel wird, finden sich an der Tankstelle in Hamburg-Allermöhe schwere Wagen ein. Von hier aus geht es weiter in die Nacht.
Wenn es dunkel wird, finden sich an der Tankstelle in Hamburg-Allermöhe schwere Wagen ein. Von hier aus geht es weiter in die Nacht. : Bild: Privat

Der Prozess um den Tod von Miriam S. ist ein Lehrstück darüber, wie schwierig der Nachweis für ein Rennen zu erbringen ist. Zig Polizisten sicherten Spuren und befragten Zeugen. Aber minutiös nachzeichnen lassen sich nur die letzten neunzig Meter der Fahrt: Erkan F. fuhr mit mindestens 95 Kilometern in der Stunde in eine Linkskurve. Der BMW begann zu driften, das hintere rechte Rad touchierte den Bordstein, F. verlor endgültig die Kontrolle. Der Wagen kam ins Schleudern, krachte gegen den Bordstein auf der anderen Straßenseite und flog auf den Fahrradweg, wo Miriam S. fuhr.

„Ich hatte große Angst“

Doch was ist zuvor geschehen? Eine Zeugin, die ihr Fahrrad über die Straße schob, als die Autos heranjagten, sagt: „Ich dachte: Ein paar Sekunden früher, und ich wäre überfahren worden.“ Eine Joggerin, der F. und M. entgegenkamen, sagt: „Ich hatte große Angst, dass die in mich reinfahren.“ Aber wie dicht war der Mercedes hinter dem BMW? Hat der Mercedes gar versucht, den BMW zu überholen? Schwer zu sagen. Die Aussagen bleiben Momentaufnahmen. Die Erinnerungen – oft nur Schemen.

Aber sich geschlagen geben, weil es schwierig ist? Weil die Raser kaum zu fassen sind? Für Rainer Fuchs ist das keine Alternative: „Wir müssen den Stein immer wieder hochrollen.“ Die Angelegenheit ist für Fuchs auch eine persönliche. Vor Jahren, er war noch nicht lange bei der Polizei, wurde seine Schwester, im dritten Monat schwanger, von einem Raser getötet.

Die Autos an der Unfallstelle wurden mehrfach bewegt, die Spuren schlecht gesichert. Der Prozess war zäh. Daraufhin spezialisierte sich Fuchs, erklärte Kollegen, was Bremsspuren von Drift- und Walkspuren unterscheidet und was das über den Hergang eines Unfalls aussagt. Jetzt leitet er den Kampf gegen illegale Autorennen. Die Marschroute dabei: Wenn man die Raser schon nur selten beim Rasen erwischen kann, dann kann man ihnen wenigstens ihr Hobby verleiden.

„Der ist zu laut“

Tanja Etzrodt fasst es so zusammen: „Wir gehen der Szene auf die Nerven.“ In Köln ist es mittlerweile Nacht geworden, Buckan und Etzrodt sind zu den Ringen gefahren, die sich im Halbkreis um die Innenstadt ziehen und am Wochenende das Partyvolk anlocken. Discos, Kneipen und Restaurants reihen sich aneinander, davor zeigen Frauen Bein und Männer Oberarm. Wer mit seinem Auto Eindruck schinden will, findet schwer einen geeigneteren Ort dafür. Buckan hat das Fenster heruntergelassen, damit er hören kann, wenn sich Kundschaft nähert.

Buckan und Etzrodt stehen gerade an einer roten Ampel, als vor ihnen etwas über die Kreuzung röhrt. „Hier ist die Polizei“, brüllt Buckan durchs offene Fenster, fährt zwischen den Passanten auf dem Zebrastreifen hindurch und nimmt die Verfolgung auf. Kurz darauf lassen die Polizisten den getunten VW Golf rechts ranfahren.

„Der hört sich recht laut an“, begrüßt Etzrodt den Fahrer, einen Mann in den Dreißigern mit rasiertem Schädel und getrimmtem Bart. Die Polizisten bitten ihn, den Motor im Leerlauf auf 4500 Umdrehungen zu beschleunigen. Die Anzeige auf dem Messegerät, das Buckan an den Auspuff hält, zeigt 101 Dezibel an. Im Fahrzeugschein stehen 81. Buckan ruft: „Der ist zu laut.“

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