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Überfälle auf Geldtransporter : Reemtsma-Entführer Drach soll Raubserie verübt haben

Tatort: Ein geparktes Fahrzeug mit einem von der Spurensicherung gekennzeichneten Einschussloch vor dem Ikea in Frankfurt Ende 2019 Bild: dpa

Ein aus dem Rheinland stammender Mann soll für Raubüberfälle auf Geldboten in Köln und Frankfurt verantwortlich sein. Der Verdächtige wurde festgenommen. Dabei handelt es sich offenbar um den Reemtsma-Entführer Thomas Drach.

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          Nach einer Serie von Raubüberfällen in Köln und Frankfurt ist der mutmaßliche Täter in den Niederlanden verhaftet worden. Es soll sich nach Informationen der Deutschen Presseagentur bei dem 60 Jahre alten Deutschen um den Reemtsma-Entführer Thomas Drach handeln. Zunächst hatte „bild.de“ darüber berichtet.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Ermittlungsbehörden bestätigten das zunächst nicht. Sie sprachen lediglich von einem „aus dem Rheinland stammenden Beschuldigten, der in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat und nach dem europaweit gefahndet worden war“. Die Staatsanwaltschaft hat die Auslieferung des Sechzigjährigen nach Deutschland beantragt. Drach soll am Mittwoch in Amsterdam dem Haftrichter vorgeführt werden. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in Amsterdam. 

          Aus Sicht der Ermittler ist nun bestätigt, dass es sich um eine Raubserie gehandelt hat. So soll der Beschuldigte nicht nur die Tat in Frankfurt begangen haben, bei der der Geldbote im November 2019 durch Schüsse schwer verletzt worden war. Er wird auch für zwei weitere Raubüberfälle in Köln im März 2018 und März 2019 verantwortlich gemacht. Ihm wird gemeinschaftlicher schwerer Raub in drei Fällen zur Last gelegt sowie ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz – bei dem Überfall am Flughafen Köln-Bonn soll der Täter ein Maschinengewehr benutzt haben

          Zusammenhang von Beginn an vermutet

          Von der Kölner Polizei hieß es, es seien an allen drei Überfällen jeweils mindestens zwei Täter beteiligt gewesen – „also Fahrer und Beifahrer“, sagte ein Sprecher. Die im Kölner Polizeipräsidium ansässige Ermittlungskommission (EK) ist nach wie vor auf der Suche nach diesem zweiten Mann. Gebildet wurde die EK nach dem ersten Überfall in Köln-Godorf am 24. März 2018. Auf eine erste Spur Drachs – dessen Identität die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht offiziell bestätigen wollte – war die EK dann aber erst nach der Auswertung von Videoaufzeichnungen der am 6. März 2019 verübten zweiten Tat am Köln/Bonner Flughafen und sich anschließenden „aufwendigen, zum Teil verdeckt geführten Ermittlungen“ gekommen.

          Schließlich gelang es den Ermittlern, auch den Fluchtwagen zu identifizieren, mit dem die Täter nach diesem Geldtransporter-Raubüberfall in die Niederlande geflüchtet waren. Das Fahrzeug konnte dann sogar sichergestellt werden. Ob dies noch vor der dritten und letzten Tat am 9. November 2019 in Frankfurt war, blieb zunächst offen. Jedenfalls gelang es den Kölner Ermittlern dann, Drach zu identifizieren und seinen Aufenthaltsort in den Niederlanden ausfindig zu machen. Das Amtsgericht Köln erließ schließlich einen Europäischen Haftbefehl. Niederländische Polizisten nahmen ihn daraufhin am Dienstagmorgen in Amsterdam fest. „Die Ermittlungen sind bei weitem noch nicht abgeschlossen“, sagte der Sprecher. 

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          Der Verdacht, dass es eine Verbindung zwischen diesen Taten geben könnte, war schon unmittelbar nach dem Überfall in Frankfurt aufgekommen. So wurden die Taten nach demselben Schema verübt. In allen drei Fällen waren die Täter mit in den Niederlanden gestohlenen und falschen Kennzeichen unterwegs. In der Nähe des Tatorts hatten sie das Fluchtauto schließlich angezündet und waren weiter mit einem zweiten Wagen geflohen. Nach dem Raubüberfall am Flughafen Köln-Bonn war damals die Tatwaffe, ein Sturmgewehr der Marke AK47, in dem vollständig ausgebrannten Audi gefunden worden.

          Immer wieder war nach den brutalen Rauüberfällen vermutet worden, Mitglieder ehemaligen linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) könnten an den Taten beteiligt gewesen sein. Zwei Männer und eine Frau werden unter anderem wegen einer Serie von zwölf Raubüberfällen von 1999 bis 2016 gesucht. Die drei sollen auch einen Geldtransporter im niedersächsischen Landkreis Diepholz überfallen haben. Am Dienstag hieß es nun aus der Kölner EK, Vermutungen über eine Verwicklung des RAF-Trios in die Ikea-Raubüberfälle „haben sich in den Ermittlungen nicht bestätigt“.

          Der mutmaßliche Serienräuber Drach war 1996 der Drahtzieher der Entführung des Mäzens Jan Philipp Reemtsma, Erbe des gleichnamigen Zigarettenherstellers. Geiselnehmer hatten einen Millionen-Betrag, damals noch in D-Mark, erpresst. 1998 wurde Thomas Drach in Argentinien gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

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