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Wiesn in München : Homophober Angriff auf dem Oktoberfest

Die Wiesn zum Auftakt: Hier wurden zwei Schwule angegriffen und beleidigt. Bild: dpa

Zwei Männer wurden auf der Wiesn angegriffen, weil sie Arm in Arm über das Gelände spazierten. Die Veranstalter setzen nun ein Zeichen gegen Homophobie.

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          Zu den Fans des Münchner Oktoberfests gehören auch viele Schwule und Lesben. Traditionell treffen sie sich in verschiedenen Festzelten am ersten Wiesn-Sonntag auf dem „Gay Sunday“, am zweiten Montag auf der „Prosecco-Wiesn“ oder auch auf dem schwulen „Wiesn-Ausklang“ am letzten Oktoberfesttag.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wann und wo es für die Szene auf dem Oktoberfest besonders interessant ist, was es an Neuigkeiten, Mode-Trends und Tipps gibt, erfährt man zum Beispiel auf der Internetseite „Rosa Wiesn“. Dort erfuhr man jedoch am Dienstag nichts über einen homophob motivierten Übergriff auf dem Oktoberfest, der sich schon vergangene Woche ereignet hat.

          Doch laut Stellungnahme der Stadt München vom Dienstag verunsichert dieser Vorfall auf der Wiesn die Szene zur Zeit. In einer Erklärung der Stadt heißt es, die Community frage sich, „wie sicher der Besuch der Münchner Wiesn für sie ist“. Die Stadt hat daher am Dienstag den weiß-blauen Fahnen am Eingang zum Festgelände zwei Regebogen-Fahnen zur Seite gestellt. Um ein Zeichen für „Toleranz, Respekt und Vielfalt“ zu setzen. „Gewalt gegen Menschen, die sich nicht am Mainstream orientieren“, heißt es in der Erklärung von Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner, „darf auf unserer Wiesn keinen Platz haben. Wer die Wiesn kennt, weiß, dass jeder dort ungestört feiern kann. Zwei sich küssende Männer oder händchenhaltende Frauen sind dort völlige Normalität.“

          Nicht küssend, sondern Arm-in-Arm gingen zwei junge Männer am 25. September über das Wiesn-Gelände, als sie aus einer Gruppe von anderen männlichen Besuchern heraus beleidigt worden sind. So haben sie es der Münchner „Abendzeitung“ und der „Bild“-Zeitung geschildert. Die beiden 22 und 23 Jahre alten Männer wurden demnach als „Schwuchteln“ beleidigt. Als sich der 22 Jahre alte Mann verbal dagegen verwahrte, ohrfeigte einer der Männer aus der Gruppe seinen 23 Jahre alten Begleiter. Es kam zu weiteren Schlägen und Tritten gegen die beiden, dann kam die alarmierte Wiesn-Wache. Kritisiert wird in den Berichten,  dass die Polizei die Aggressoren einfach habe laufen lassen.

          Am Dienstag teilte die Polizei dazu den aktuellen Ermittlungsstand mit: Demnach hatten die Beamten bei ihrem Einsatz zunächst keine Informationen über die vorausgegangenen homophoben Beleidigungen. Die Polizei wurde am Mittwoch gegen 19.45 Uhr wegen einer Körperverletzung zur Wirtsbudenstraße gerufen. Nach den Angaben hat die Polizei die Personalien von allen Beteiligten aufgenommen und jeder Partei die Personalien der jeweils gegnerischen Seite mitgeteilt. Bei „minder schweren Fällen“ sei dies das normale Vorgehen, teilte ein Sprecher der Polizei am Dienstag auf Anfrage mit. Der Freiheitsentzug als einschneidende Maßnahme sei immer erst „ultima ratio“, zudem müssten Haftgründe wie Fluchtgefahr vorliegen, um eine Festnahme zu begründen. Den Beteiligten wird bei diesen minder schweren Fällen zudem aufgetragen, zeitnah eine Polizeidienststelle aufzusuchen, um die Aussagen noch einmal zu bestätigen, zu ergänzen und um eventuell Anzeige zu erstatten. Jeder dieser Fälle wird nach den Angaben dann an die Staatsanwaltschaft übergeben.

          Nachdem jedoch einer der Männer die Aggressionen detailliert in der Zeitung als homophob motiviert beschrieben hatte, übernahm nach den Angaben der Polizei dann das Kommissariat 44 die Ermittlungen, das sich um politisch motivierte Straftaten kümmert. Die Polizei vernahm daraufhin den 23 Jahre alten Geschädigten, der zusammen mit drei anderen jungen Männern, alle im Alter von 22 Jahren, das Oktoberfest besucht hatte.

          Ohrfeigen, Schläge und Tritte

          Nach dessen Schilderungen trafen die vier Männer am frühen Abend, als sie das Gelände verlassen wollten, auf eine zehn- bis fünfzehnköpfige Personengruppe. Die jungen Männer wurden aus dieser Gruppe heraus mit dem Spruch „Hey ihr Schwuchteln“ beleidigt. Der  22 Jahre alte Mann, der neben dem 23 Jahre alten Mann ging, begann nun, sich verbal mit der Gruppe auseinanderzusetzen. In dem folgenden Streit verpasste dann vermutlich ein  30 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Aichach Friedberg dem 23 Jahre alten Mann mehrere Ohrfeigen.

          Als der Geschlagene weglaufen wollte, wurde er von dem 30 Jahre alten Mann eingeholt, zu Boden gebracht und mit Faustschlägen traktiert. Dabei habe er sich auf den Geschädigten draufgesetzt. Der 22 Jahre alte Freund des Geschädigten versuchte auch zu entkommen, wurde aber von der großen Gruppe der Männer aufgehalten. Einer der Männer, dessen Identität noch nicht feststeht, schlug auf ihn ein. Zudem seien ihm die Beine weggeschlagen worden, so dass er zu Boden fiel. Als er am Boden lag, wurde zudem auf seinen Oberkörper eingetreten. Der 23 und der 22 Jahre alte Mann wurden verletzt und ambulant im Krankenhaus behandelt. Laut Polizei dauern die Ermittlungen an, Zeugen werden gebeten, sich beim Münchner Polizeipräsidium zu melden.

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