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Konsequenzen gefordert : Frankreich alarmiert von tödlicher Gewalt gegen Frauen

  • Aktualisiert am

Eine Frau nimmt an einer Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen in Paris teil. Bild: dpa

In Frankreich ist man empört über die hohe Anzahl getöteter Frauen durch ihre Partner. Die Justizministerin gesteht Fehler ein – und schlägt neue Maßnahmen zur Prävention vor.

          Das hohe Maß tödlicher Gewalt in Partnerschaften gegen Frauen sorgt in Frankreich für Entrüstung. Seit Anfang des Jahres sind landesweit einer nicht offiziellen Zählung zufolge 70 Frauen von ihrem Partner oder früherem Partner getötet worden. Frankreichs ehemalige Familien- und Gleichstellungsministerin Laurence Rossignol forderte nun die Regierung auf, eine Untersuchung einzuleiten. Es müsse festgestellt werden, ob ein Fehlverhalten der Polizei oder der Justiz vorliege.

          Die tödliche Gewalt gegen Frauen – sogenannte Femizide oder auch Partnerschaftsgewalt – wird von Aktivistinnen in sozialen Netzwerken gezählt. Für das gesamte Jahr 2018 zählte das Kollektiv 119 Fälle in Frankreich, bei denen Frauen von Partnern oder ehemaligen Partnern getötet worden sind. Die letzten Zahlen von offizieller Seite stammen aus dem Jahr 2017. Demnach wurden damals 130 Frauen und 21 Männer umgebracht. In Deutschland sind nach Angaben des Bundeskriminalamts 2017 147 Frauen durch Partnerschaftsgewalt gestorben.

          Frankreichs Justizministerin Nicole Belloubet zeigte sich angesichts der neuen Zahlen bestürzt und räumte ein, dass die Regierung im Kampf gegen Femizide nicht erfolgreich sei. Sie wolle die Schutzmöglichkeiten für Frauen verbessern, die von einem gewalttätigen Partner bedroht werden, sagte sie am Montag dem Sender LCI. Außerdem sprach sie sich abermals für ein elektronisches Armband für Gewalttäter aus. Es soll sicherstellen, dass diese sich dem Opfer nicht nähern. Allerdings müsste das Gesetz geändert werden, um das Armband für einen größeren Personenkreis anzuwenden – derzeit sei der Einsatz eines solchen Geräts nur bei einer Verurteilung möglich.

          Der Hohe Rat für die Gleichstellung von Mann und Frau gab sich ebenfalls alarmiert. Die Schutzmaßnahmen für Opfer häuslicher Gewalt seien nicht ausreichend. Der Rat, der die Regierung berät, forderte Zugang zu den Daten von Sozialdiensten und Polizei, um die Lage in Zusammenarbeit mit den Behörden verbessern zu können.

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