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„Hells Angels“ : Mehrjährige Haftstrafen nach Racheakt im Rockermillieu

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Unter Beobachtung der Polizei steht ein Mitglied der „Hells Angels” Bild: ddp

Das Landgericht Kaiserslautern hat zwei Mitglieder des Rockerclubs „Hells Angels“ verurteilt. Ein 29-Jähriger erhielt siebeneinhalb Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Ein 43-Jähriger, der als Kronzeuge ausgesagt hatte, bekam vier Jahre wegen Beihilfe.

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          Es war ein Revierkampf im Rocker-Milieu, der für einen Regionalchef des Motorrad-Clubs Outlaws tödlich endete: Zwei Anhänger der Hells Angels im Alter von 29 und 43 Jahren sind am Dienstag in Kaiserslautern wegen der Bluttat zu siebeneinhalb und vier Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sah den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf des Mordes allerdings nicht als erwiesen an und entschied auf Körperverletzung mit Todesfolge. „Die Kammer geht nicht davon aus, dass es sich hier um einen von langer Hand geplanten Mordanschlag handelte“, sagte der Richter.

          Seinen Worten zufolge sollte der Outlaw „aufgemischt“ werden, um den Gebietsansprüchen der Hells Angels in der Region Donnersberg Nachdruck zu verleihen. Während der Urteilsverkündung blieb es im Gerichtssaal ruhig. Jeweils rund ein Dutzend Anhänger der beiden verfeindeten Motorrad-Clubs saßen im Zuschauerraum, von einer menschlichen Mauer aus Polizisten getrennt. Auch der letzte Tag des seit Dezember laufenden Prozesses stand im Zeichen starker Sicherheitsvorkehrungen, das Landgericht glich einer Festung.

          „Wie vom Erdboden verschwunden“

          Der 45 Jahre alte Präsident der neugegründeten Outlaws-Einheit Donnersberg war am 26. Juni 2009 spätabends auf einer Landstraße bei Stetten auf seinem Motorrad gestoppt und erstochen worden. Die tödlichen Verletzungen soll ihm ein dritter, noch flüchtiger Hells Angel zugefügt haben - im Exzess, wie es der Richter ausdrückte. Der 27-Jährige ist bis heute laut Staatsanwaltschaft „wie vom Erdboden verschwunden“.

          Mehrere hundert Rocker hatten sich vor dem Gerichtssaal versammelt
          Mehrere hundert Rocker hatten sich vor dem Gerichtssaal versammelt : Bild: dpa

          Der 43 Jahre alte Angeklagte war nach der Tat zur Polizei gegangen und hatte sich als Kronzeuge zur Verfügung gestellt. Er wurde wegen Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge und unter anderem auch wegen Nötigung zu vier Jahren Haft verurteilt. Der 29-Jährige muss wegen Körperverletzung mit Todesfolge, Nötigung und Beteiligung an einer Schlägerei siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis.

          An einem Outlaw-Treffpunkt auf die Lauer gelegt

          Der ältere Angeklagte hatte am Tatabend den Wagen gefahren, mit dem der Outlaw bei Stetten auf der Landstraße gestoppt worden war. Zuvor hatte sich das Hells-Angels-Trio an einem Outlaw-Treffpunkt auf die Lauer gelegt. Der 29-Jährige und der dritte Täter hätten den Outlaw dann vom Motorrad gezogen, sagte der Richter. Als ein Taxi auf der Landstraße herannahte, hätten sie sich kurz im Straßengraben versteckt. Der Outlaw-Präsident rappelte sich auf und wollte auf seinem Motorrad fliehen. Da versetzte ihm der 27-Jährige die tödlichen Stiche, so der Richter. Die Kutte (Weste mit Rockerclub- Emblem) des Outlaw nahmen die Täter als Trophäe mit.

          Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Mordes gefordert, die Verteidigung Haftstrafen von maximal drei beziehungsweise vier Jahren. Oberstaatsanwalt Hans Bachmann sagte nach dem Urteil: „Ich verrate kein Geheimnis, dass die Staatsanwaltschaft mit dem Urteil nicht glücklich ist.“ Er werde prüfen, ob Rechtsmittel eingelegt werden.

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