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Hells Angels : Die apokalyptischen Harley-Reiter

Echte Männer unter sich Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Vor 60 Jahren wurden in Kalifornien die Hells Angels gegründet. Bis heute haben sie sich auf der ganzen Welt ausgebreitet. Für die einen sind sie Rebellen und „Pfadfinder der Unterwelt“, für die anderen Verbrecher.

          7 Min.

          Herr Hanebuth, warum hat der Hells Angel eine so platte Nase? "Er hat in ganz Europa Free Fight gemacht", sagt Frank Hanebuth, der Präsident der Hannoveraner Hells Angels, über seinen Rocker-Bruder Jörg. Jörg lacht und sagt, eigentlich habe er sich die Nase beim Oralverkehr gebrochen. So geht das immer, wenn man es mit den Hells Angels zu tun hat: Von jeder Geschichte gibt es zwei Versionen, von denen vielleicht die dritte stimmt.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Hanebuth, Jörg und etwa 35 Brüder sitzen am Freitagabend beim Essen im Clubheim. Es heißt, Hannover sei das größte Angels Charter der Welt. Das Landeskriminalamt spricht von etwa 40 Männern zwischen 35 und 55 Jahren. Im Kamin brennt Feuer, ein Kampfhund streift mit einem Knochen im Maul um die Tische. Der "Angels Place" liegt in einer Sackgasse, die von den Rockern streng bewacht wird. Ihr Lager, ihre Jungs. Die Hells Angels seien die "Pfadfinder der Unterwelt", schreibt der Journalist Yves Lavigne. Wer mit dem Auto einbiegen will, wird von "Prospects" oder "Hangarounds", die eine und zwei Stufen unter den Vollmitgliedern, den "Members", stehen, angeleuchtet und gefragt, ob nicht ein Irrtum vorliege. Manche wollten nur zu dem Tischler, der seine Werkstatt in der Straße hat. Das sei dann kein Problem, sagt Hanebuth.

          „Sozialschmarotzer dulden wir nicht“

          Nach dem Essen - Koteletts, Kartoffeln, Gemüse - steht einer auf und sagt, er lade für Karfreitag alle Frauen und Kinder seiner Brüder zum Kaffeetrinken ein. Dann, kurz vor 22 Uhr, schwärmen die Hells Angels in ihren Autos aus. Hanebuth fährt einen 517 PS starken Dodge Viper. Die Harley, nach den "Hannover Rules" Bedingung für die Mitgliedschaft, nimmt heute keiner. "Erst ab 20 Grad", sagt ein Angel, den sie "Kirsche" nennen.

          Nur mit einem Harley kann man Hells Angels beitreten
          Nur mit einem Harley kann man Hells Angels beitreten :

          Einige der Hells Angels "machen die Türen" am Steintor, dem Hannoveraner Vergnügungsviertel. Andere - wie Kirsche - betreiben dort ihren eigenen Laden oder arbeiten als "Wirtschafter" in einem der Bordelle. Die "Colors", die Jacke mit den Clubabzeichen, trägt dabei keiner: Man wolle die Kunden nicht verschrecken, sagen die Hells Angels. Die Rocker seien zunehmend um Diskretion bemüht, sagen Ermittler. Im Hannoveraner Club gibt es auch Leute in "bürgerlichen Berufen", wie es beim LKA Niedersachsen heißt: Schlachter, Lastwagenfahrer, Kfz-Mechaniker. "Sozialschmarotzer dulden wir nicht", sagt Hanebuth. "Wenn einer keinen Job hat, dann wird ihm einer besorgt. Wer nicht arbeiten will, der fliegt." Das gelte auch, wenn einer beim Drogenhandel erwischt werde. Seit Hanebuth auf dem Kiez das Sagen hat, sei es dort sicherer geworden, sagt man.

          „Frauen von Membern sind Tabu für jedermann“

          Als die "Members" den Angels Place verlassen haben, dürfen auch die "Prospects" zum Essen ins Clubhaus. Lavigne schreibt in seinem Buch von 1987, dass die "Prospects", um aufgenommen zu werden - dazu ist ein einstimmiges Votum der Vollmitglieder notwendig -, ein Verbrechen bis hin zum Mord begangen haben müssen. Außerdem, so heißt es, sei es in der Bewährungsphase üblich, den Clubmitgliedern seine Frau zur Verfügung zu stellen. Was früher und woanders vielleicht einmal war, interessiere ihn nicht, sagt Hanebuth, der dreieinhalb Jahre wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis saß. Er hatte 2001 einen "Bruder", der Karate-Schwarzgurtträger und Bodybuilding-Europameister war, halb totgeschlagen. Im Club, sagt Hanebuth, werde streng über die Einhaltung der Regeln gewacht. "Frauen von Membern, Prospects und Hangarounds sind tabu für jedermann." Wenn einer "Eier in der Hose" habe, sagt der 43 Jahre alte Hanebuth, "dann überlässt er mir doch nicht seine Frau". Er habe in seinem Leben "genug Titten und Ärsche" gesehen. Jetzt lebe er in einer "stabilen Beziehung".

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