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„Haysom-Morde“ : Das „German Monster“ will die Freiheit

  • -Aktualisiert am
Um Schuld oder Unschuld geht es aktuell gar nicht: Jens Söring bei einem Interview in der Haftanstalt im März des vergangenen Jahres
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          Wenn Jens Sörings Fall am Dienstag ein weiteres Mal vor einem amerikanischen Gericht verhandelt wird, geht es zumindest vordergründig nicht um die Schuld oder Unschuld des wegen Doppelmordes verurteilten Deutschen. Der Diplomatensohn kämpft nach 22 Jahren in den Gefängnissen des Bundesstaates Virginia vielmehr um die Rückkehr nach Deutschland, die im Januar 2010 zum Greifen nah schien. Damals hatte Virginias scheidender Gouverneur Timothy Kaine einem Transfer des Fünfundvierzigjährigen aus dem Buckingham Correctional Center in ein deutsches Gefängnis unerwartet zugestimmt, bevor sein Nachfolger Robert McDonnell die Entscheidung wenige Tage nach Amtsantritt ebenso überraschend revidierte. „Virginias Justizminister sowie die Staatsanwaltschaft und der Sheriff des Bezirks Bedford sind sich einig darin, dass der Bundesstaat die Haftüberstellung verwehren sollte“, schrieb McDonnell dem amerikanischen Justizminister Eric Holder nach Washington, bevor er Virginias Zustimmung zurücknahm. Obwohl nach Sörings Einspruch nun vor dem Bezirksgericht in Richmond über juristische Feinheiten zu den Befugnissen des Gouverneurs und die gesetzlichen Voraussetzungen einer Haftüberstellung gestritten wird, schwingt auch die Erinnerung an die „Haysom-Morde“ mit.

          Nach einem Sensationsprozess mit erschütternden Tatortfotos und bizarr anmutenden Auftritten des Angeklagten war Söring im Juni 1990 wegen des Mordes an Derek und Nancy Haysom, den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom, zu zweimal lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. An den Worten „Ich bin unschuldig“, die der Dreiundzwanzigjährige mit den dicken Brillengläsern und dem zu großen Anzug nach dem Schuldspruch raunte, hält Söring jedoch bis heute fest.

          Flucht nach London

          „Da sich viele Gerichte schon vor dem Prozess eine Meinung bilden, müssen wir die Richterin wohl irgendwie einwickeln“, sagt sein amerikanischer Anwalt Steven Rosenfield, der den ehemaligen Studenten der Universität von Virginia bei der Klage gegen Gouverneur McDonnell vertritt. Der Jurist mit dem Ruf, selbst scheinbar hoffnungslose Fälle zu gewinnen, kämpft für Söring gegen Windmühlenflügel. „Er ist einer der bemerkenswertesten Menschen, der mir in meinem Leben begegnet ist. Schon dass Jens in dem kranken Gefängnissystem seine geistige Gesundheit bewahren konnte, spricht für ihn“, sagt Rosenfield.

          Unter Anklage: Elizabeth Haysom im Jahr 1987, Jens Söring im Jahr 1990
          Unter Anklage: Elizabeth Haysom im Jahr 1987, Jens Söring im Jahr 1990 : Bild: dapd

          Noch nach 27 Jahren gelten die „Haysom murders“ in der Gemeinde Boonsboro als eines der grausamsten Verbrechen in der Geschichte Virginias. Die Bewohner des ländlichen Bedford County verbarrikadierten sich aus Angst vor einem vermeintlichen Serientäter in ihren Häusern, nachdem eine Freundin der Familie Anfang April 1985 die mit Messerstichen übersäten Leichname des wohlhabenden Südafrikaners Haysom und seiner Frau Nancy entdeckt hatte. Die Kehlen des 72 Jahre alten Stahlmanagers und der 53 Jahre alten Malerin waren von Ohr zu Ohr durchtrennt.

          Gerüchte über einen satanischen Kult machten die Runde, während Sheriff Ricky Gardner und seine Kollegen die sechs erwachsenen Kinder der Toten befragten. Da die Ermittler am Haus der Haysoms keine Einbruchspuren fanden und Nancy Haysoms Schmuck unberührt geblieben war, vermutete Gardner den Täter bald unter Freunden oder Angehörigen des beliebten Paars. Als die Polizei nach dem Fund eines blutigen Sockenabdrucks im Wohnzimmer auch Söring, Elizabeth Haysoms Freund und Mitstudenten, um eine Blutprobe sowie Finger- und Fußabdrücke bat, flohen die beiden Stipendiaten der Universität von Virginia im Oktober 1985 nach London. Ihre Festnahme folgte Ende April 1986, nachdem sie bei Einkäufen mit gefälschten Schecks ertappt worden waren. In der Wohnung der beiden fanden die britischen Ermittler neben falschen Pässen auch Briefe und Tagebücher, die bei den Beamten einen Verdacht aufkeimen ließen. „Am 29. Mai rief mich der Kriminalbeamte Terry Wright aus England an. Er fragte, ob Elizabeth Haysoms Eltern verstorben seien und ob man sie ermordet habe. Als ich beides bestätigte, ließ er mich wissen, dass die zwei mutmaßlichen Mörder in einem englischen Gefängnis säßen“, erinnert sich Sheriff Gardner.

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