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Leiche der Mutter gefunden : Hat der Südtiroler Benno N. seine Eltern ermordet?

Pensioniertes Lehrerehepaar Laura P. und Peter N. Bild: ROPI

Hat in Südtirol ein auf seine Schwester eifersüchtiger Sohn Vater und Mutter ermordet? Die Schwester fürchtet laut ihrem Rechtsvertreter um ihre eigene Sicherheit, sollte ihr Bruder auf freien Fuß kommen. Danach sieht es aber nicht aus.

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          Am Nachmittag des 5. Januars wird in Bozen eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Spurlos verschwunden sind die Eheleute Laura P. und Peter N., 68 und 63 Jahre alt. Sie müssen die Wohnung in der Runkelsteiner Straße offenbar zu Fuß verlassen haben. Ihr Auto und auch die Fahrräder sind noch auf dem Grundstück.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Anzeige erstattet Benno N., der 30 Jahre alte Sohn des pensionierten Lehrerpaares. Er soll dazu von seiner jüngeren Schwester Madè N. gedrängt worden sein, die ihre Ausbildung zur Fachärztin für Traumatologie und Orthopädie in München absolviert. Madè hat am Morgen des 5. Januars der Mutter und auch dem Vater die habituellen Whatsapp-Nachrichten geschickt. Doch die Mitteilungen gehen nicht durch. Auch die wiederholten Anrufe werden nicht angenommen. Die Eltern schalten zwar abends vor dem Zubettgehen ihre Handys aus und lassen sie zum Aufladen in der Küche zurück. Aber dass sie bis zum späten Vormittag offline sind, ist ungewöhnlich.

          Ihren Bruder, der mit den Eltern die geräumige Mietwohnung in dem Grünviertel im Norden Bozens teilt, erreicht Madè gegen 13 Uhr. Auch Benno kann nicht sagen, wo die Eltern sind. Die Nacht zuvor hat er bei einer Freundin verbracht. Als er morgens gegen halb sechs nach Hause gekommen sei, um den Hund auszuführen, sei die Schlafzimmertür der Eltern wie üblich verschlossen gewesen, berichtet Benno der Schwester. Auch er habe der Mutter eine Whatsapp-Nachricht geschickt, die nicht durchgegangen sei. Erst nach dem Anruf der Schwester will er bemerkt haben, dass die Eltern nicht zu Hause sind.

          Eine böse Vorahnung?

          Benno scheint nicht so alarmiert wie die Schwester, geht dennoch am frühen Nachmittag zu den Carabinieri und meldet die Eltern als vermisst. Madè kehrt, womöglich erfüllt von einer bösen Vorahnung, anderntags heim. Aber nicht in die Wohnung der Eltern, wo Benno wohnt. Sondern zu ihrer Tante Carla P., der Schwester der Mutter. Ihren Bruder trifft sie nicht. Die Geschwister sprechen an den kommenden Tagen aber jeweils mit Journalisten. Benno vor dem Haus in der Runkelsteiner Straße. Madè von der Wohnung der Tante aus.

          Der Vermisstenfall aus Bozen beschäftigt sogleich die Medien in Südtirol. Der Sender Rai 3 schickt seine investigative Reporterin Claudia Aldi nach Südtirol. Die spricht am 13. Januar mit Benno, zeichnet das Telefongespräch ohne dessen Wissen auf, der Sender strahlt es aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Benno schon seit zwei Tagen ins Ermittlungsregister wegen des Verdachts der vorsätzlichen Tötung und des Verbergens von Leichen eingetragen, befindet sich aber noch auf freiem Fuß. Nach dem Gesetz dürfte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr über den Stand der polizeilichen Nachforschungen berichtet werden, denn diese unterliegen dem Ermittlungsgeheimnis. Doch als sich Benno N. am 28. Januar in Begleitung seiner Anwälte ins Bozener Gefängnis begibt, um seiner unmittelbar bevorstehenden Verhaftung zuvorzukommen, scheint Italiens aufregendster Kriminalfall des Jahres 2021 schon gelöst. Es fehlen nur noch die Leichen.

          Die von Laura P. wird am 6. Februar in der Etsch nahe Neumarkt, knapp zwanzig Kilometer südlich von Bozen, gefunden. Das Ergebnis der Obduktion steht noch aus. Die Suche nach Peter N. dauert an, auch dessen Leichnam wird in der Etsch vermutet. Nach Angaben seiner Anwälte hat Benno N. im Gefängnis die Nachricht vom Fund der Leiche seiner Mutter mit Bestürzung aufgenommen und „lange heftig geweint“. Er beteuert nach wie vor seine Unschuld und versichert, mit dem Verschwinden seiner Eltern nichts zu tun zu haben.

          Der „Doppelmord von Bozen“

          Der Fall beherrscht weiter die Schlagzeilen der lokalen wie der nationalen Medien. Weithin ist vom „Doppelmord von Bozen“ die Rede, verübt vom narzisstischen jungen Mann. Die Unschuldsvermutung wird als Lippenbekenntnis nachgeschoben. Die Berichterstattung komme einer Vorverurteilung von Benno N. gleich, klagt dessen Anwalt. Bei einem möglichen Prozess würden zwei Berufsrichter und sechs Schöffen über das Schicksal des Angeklagten entscheiden. Die Geschworenen könnten kaum noch unvoreingenommen urteilen.

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