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Wegen Sexualverbrechen : Harvey Weinstein schuldig gesprochen

  • Aktualisiert am

Harvey Weinstein vor der Urteilsverkündung in New York Bild: AFP

Im Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein hat die Jury den ehemaligen Hollywood-Mogul wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen. Das teilten die Geschworenen dem Obersten New Yorker Gericht nach tagelangen Beratungen mit.

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          Ein amerikanisches Gericht hat den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen. Das teilten die Geschworenen am Montag dem Obersten New Yorker Gericht nach tagelangen Beratungen mit. Weinstein droht nun eine Haftstrafe von bis zu 25 Jahren.

          Das Strafmaß wird von Richter James Burke später verkündet. Die Jury aus Laienrichtern kam zu der Entscheidung, den 67 Jahre alten Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu verurteilen. Nicht schuldig sei er jedoch im schwersten Anklagepunkt des „gewaltsamen sexuellen Angriffs“. Nach der Verlesung des Urteils dankte Richter Burke der Jury für ihre „Sorgfalt und Konzentration“, bevor die Geschworenen den Gerichtssaal verließen.

          In den vergangenen Jahren hatten mehr als 80 Frauen Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Das Urteil in dem Prozess in New York basierte vor allem auf zwei Vorwürfen: Weinstein soll im Jahr 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi in seinem Apartment in Manhattan zum Oralsex gezwungen und zudem 2013 die angehende Schauspielerin Jessica Mann in einem Hotelzimmer in Manhattan vergewaltigt haben.

          Der Prozess gilt als Meilenstein der MeToo-Bewegung, die durch den Fall erst in Gang gekommen war. Weinstein hat nun die Möglichkeit, Berufung gegen die Entscheidung einzulegen. Einer seiner Anwälte hatte das gegenüber der Deutschen Presse-Agentur für den Fall einer Verurteilung bereits angekündigt.

          In den vergangenen Wochen hatte die Staatsanwaltschaft in dem Verfahren versucht, mithilfe von sechs Hauptzeuginnen mit teilweise drastischen Details ein Muster Weinsteins offenzulegen: das eines Manns, der seine Macht in der Filmindustrie systematisch ausnutzte, um sich Frauen gefügig zu machen. Und das eines Manns, der Frauen für Sex Karrierehilfe versprach und sie bei einem Nein zum Geschlechtsverkehr zwang.

          Kultur von Abhängigkeit und Machtmissbrauch

          Weinsteins Anwältin Donna Rotunno dagegen hatte versucht, die Schilderungen von Vergewaltigungen, erzwungenem Oralverkehr und Grapschereien in Zweifel zu ziehen. Die Textnachrichten und E-mails, die den Geschworenen von Weinsteins Verteidigern präsentiert worden waren, zeichneten ein widersprüchliches Bild. Die Produktionsassistentin Haleyi bot Weinstein demnach drei Jahre nach dem mutmaßlichen Übergriff ihre Dienste als Yogalehrerin an. Auch Jessica Mann beschwor demnach jahrelang noch ihre Zuneigung. Während ihres fast fünf Stunden langen Schlussplädoyers am Donnerstag hatte Rotunno der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, die mutmaßlichen Opfer zu entmündigen. „Die Darstellung, er habe Frauen in seinen Bann gezogen, erkennt ihnen gesunden Menschenverstand, Autonomie und Eigenverantwortung ab“, sagte die Juristin und erklärte den Versuch der Anklage, Weinsteins angebliche Übergriffe in eine Kultur von Abhängigkeit und Machtmissbrauch in Hollywood einzubetten, zum Ablenkungsmanöver.

          Die Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon dagegen führte aus, die sechs Frauen, die in den vergangenen vier Wochen während des Prozesses ausgesagt hatten, hätten Würde, Privatsphäre und Seelenfrieden geopfert, um Hollywoods früher gefürchteten Filmmogul zur Strecke zu bringen. „Sie wollten endlich gehört werden“, sagte die Anklägerin. „Die Frauen versuchten, in einer schwierigen Branche ihren Weg zu finden. Partys hören sich nach Spaß an, sind aber Networking. Sie sind Arbeit“, erklärte Illuzzi-Orbon das System Hollywood.

          Juristische Kämpfe gehen weiter

          Der Prozess gegen Weinstein war von Anfang an mit Vorwürfen wegen einer möglichen Vorverurteilung des Angeklagten wegen der breiten gesellschaftlichen Debatte und der intensiven Berichterstattung darüber in den vergangenen Jahren verbunden gewesen. Bei der Auswahl der Geschworenen zu Beginn des Verfahrens hatten sich auffallend viele der potentiellen Kandidaten von vornherein für befangen erklärt. Die Beratungen der Jury, die sich am Dienstag vergangener Woche zurückgezogen hatte, liefen tagelang. Anfragen an das Gericht ließen dabei den Schluss zu, dass die Jury sich zwischenzeitlich in mehreren Anklagepunkten nicht einig gewesen war.

          Die juristischen Kämpfe sind für Weinstein aber auch abseits des New Yorker Verfahrens noch nicht zu Ende. In Los Angeles wurde er ebenfalls wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt. Auch dort könnte es zu einem Prozess kommen.

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