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Trotz Missbrauchsvorwürfen : Weinstein sieht sich als „Pionier“ der Frauenförderung

  • Aktualisiert am

Nach einer Anhörung im Prozess um sexuelle Nötigung, verlässt Harvey Weinstein das New Yorker Gericht. Es bleibt nicht das letzte Verfahren. Bild: Reuters

Mehr als 80 Frauen beschuldigen den ehemaligen Filmproduzenten der sexuellen Nötigung. Weinstein selbst beteuert nicht nur seine Unschuld. Er findet auch, man solle ihm dankbar sein – schließlich habe niemand so viel für die Frauenförderung getan wie er.

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          Der wegen Sexualdelikten angeklagte ehemalige Filmproduzent Harvey Weinstein sieht sich als Vorreiter bei der Förderung von Frauen in Hollywood. Das hat er jetzt in einem Interview mit der „New York Post“ kundgetan, das die Zeitung am Sonntag veröffentlichte. Er habe mehr Filme von Frauen und über Frauen produziert als jeder andere Produzent, sagte Weinstein in dem Gespräch. Dies habe er nicht erst getan, als Frauenförderung „in Mode“ gekommen sei.

          „Ich war der Erste. Ich war der Pionier“, behauptete Weinstein. Er habe den Eindruck, dass seine Arbeit „vergessen“ worden sei, sagte der offenbar um sein Vermächtnis fürchtende Produzent. „Ich will, dass diese Stadt anerkennt, wer ich gewesen bin und nicht zu wem ich geworden bin,“ zitiert die Zeitung Weinstein, dem zahlreiche Frauen sexuellen Missbrauch vorwerfen. Auf die Vorwürfe ging er nicht ein. Dem Interview stimmte er wohl zu, um seinen schlechten Gesundheitszustand zu demonstrieren. Vor Kurzem wurde Weinstein am Rücken operiert, zuvor war er öffentlich mit einer Gehhilfe aufgetreten.

          Ein Hauptverfahren gegen ihn soll am 6. Januar in New York beginnen. In dem Prozess werden ihm eine Vergewaltigung im Jahr 2013 und erzwungener Oralverkehr im Jahr 2006 zur Last gelegt. Insgesamt beschuldigen mehr als 80 Frauen den einstigen Filmmogul. Die Vorwürfe reichen von sexueller Belästigung über Erpressung und Rufmord bis zu Vergewaltigung.

          Unabhängig von dem Prozess ist Weinstein zu Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt 25 Millionen Dollar an rund 30 andere Frauen bereit, die ihm sexuelle Gewalttaten vorwerfen. Bei den Klägerinnen handelt es sich sowohl um Schauspielerinnen wie auch um ehemalige Angestellte. Die Summe würde Weinstein allerdings nicht selbst aufbringen müssen. Sofern das Gericht dem Vergleich zustimmt, komme die Versicherung seines inzwischen bankrotten Filmstudios dafür auf.   

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