https://www.faz.net/-gum-76b75

Hannover : Goldener Keks vor Leibniz-Universität aufgetaucht

  • Aktualisiert am

Ein Kriminaltechniker sichert vor der Leibniz Universität einen goldenen Keks. Bild: dpa

Mit einer roten Schleife verziert hing es am Hals des Niedersachsen-Pferds: Vor der Universität Hannover ist ein goldener Keks gefunden worden. „Augenscheinlich“ handelt es sich dabei laut Polizei um das gestohlene Wahrzeichen der Firma Bahlsen.

          Vor der Leibniz Universität ist am Dienstagmorgen ein goldener Keks entdeckt worden. Mit einer roten Schleife verziert war er am Hals des Niedersachsenpferd-Denkmals der Universität befestigt.

          Ein Kriminaltechniker und ein Feuerwehrmann holten den Keks per Feuerleiter aus rund fünf Meter Höhe vom Sachsenross herunter. Dabei trug der Polizist Gummihandschuhe und einen Mundschutz. Spezialisten untersuchten danach, ob es sich bei dem Fundstück tatsächlich um das 100 Jahre alte, vermisste Kunstwerk handelt. „Augenscheinlich ist es dieser Keks“, sagte Polizeisprecher Holger Hilgenberg am Nachmittag.

          Das 20 Kilogramm schwere Firmen-Wahrzeichen war Mitte Januar von der Fassade des Bahlsen-Stammhauses in Hannover gestohlen worden. Danach tauchte ein mit Krümelmonster unterzeichneter Erpresserbrief auf. In einem neuen Brief kündigte der mutmaßliche Dieb am Montag an, den Keks zurückgeben zu wollen.

          Damit ist die „Krümelgate“-Affäre noch nicht beendet. Völlig unklar ist, wer hinter der Entführung des Firmen-Symbols und den zwei Bekennerschreiben des angeblichen Krümelmonsters steckt. Spekulationen, dass Bahlsen den Keks-Klau als Marketing-Gag selbst eingefädelt habe, wies der Firmenchef stets zurück. Auch internationale Medien berichteten über den Fall. Bahlsen wird nichts dagegen gehabt haben.

          Mittlerweile sieht die ganze Sache eher wie ein Studenten-Ulk aus. „Bei allem Charmanten, was diese Geschichte auch hat, es handelt sich um eine Straftat - die würde ich unseren Studenten natürlich nicht zutrauen“, sagte Uni-Sprecherin Mechtild Freiin von Münchhausen.

          Wann der goldene Keks wieder an seinen angestammten Platz an der Fassade zurückkehrt, ist offen. Über die Freigabe müsse die Staatsanwaltschaft entscheiden, sagte Polizeisprecher Hilgenberg. Die Spurensicherung laufe noch. Die Akten werden noch nicht geschlossen. „Wir ermitteln weiterhin wegen des Verdachts der versuchten Erpressung“, betonte der Sprecher.

          Zwischen dem 4. und 21. Januar war der vergoldete Keks aus Bronze von der Fassade des Unternehmenssitzes abgeschraubt worden. Vor gut einer Woche meldete sich das „Krümelmonster“ in einem Erpresserbrief und verlangte Kekse für kranke Kinder und 1000 Euro für ein Tierheim. Firmenboss Werner M. Bahlsen zeigte klare Kante („Wir lassen uns nicht erpressen!“), kündigte aber eine soziale Aktion an, sollte das auch für Hannover wichtige Symbol zurückkehren.

          Etwas ungelenk formulierte der Keks-Entführer daraufhin in einem zweiten Bekennerschreiben: „Weil der Werni den Keks so lieb hat wie ich und der jetzt immer weint und den Keks ganz dolle vermisst geb ich den zurück!!!“ Wie im ersten Brief war der Text aus Zeitungs-Schlagzeilen zusammengeschnipselt.

          Im Internet wird heftig über den Dieb mit einem Herz für Kinder und Tiere diskutiert, durchaus mit Sympathien für dessen Robin-Hood-Attitüde. Selbst Politiker beschäftigt die Keks-Affäre. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, twitterte nach dem Keks-Fund am Sachsenross: „Als Vorsitzender des SPD-Bezirks Braunschweig erkläre ich: Wir gönnen Hannover den Keks.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Umstritten: An der geplanten Pkw-Maut gibt es viel Kritik.

          EuGH urteilt : Deutsche Pkw-Maut verstößt gegen EU-Recht

          Das Prestigeprojekt der CSU ist gescheitert: Der Europäische Gerichtshof gibt einer Klage von Österreich gegen die Maut in Deutschland statt. Die Richter halten die geplante Abgabe für diskriminierend.
          Matteo Salvini (Dritter von rechts) und Mike Pence (vierter von rechts) beim Gruppenfoto vor dem Weißen Haus am Montag

          Salvini in Washington : Imperiale Achse im Gepäck

          Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini preist bei seinem ersten Besuch in Washington Rom als verlässlichsten Partner in Europa an. Und verteilt Seitenhiebe gegen Paris, Berlin und Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.