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Nach Vergewaltigung in Hamburg : Pranger-Fotos angeblicher Verdächtiger auf Instagram veröffentlicht

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Während der Pandemie wurde der Hamburger Stadtpark zum beliebten Feierort. Im Sommer waren Beamte verstärkt unterwegs, um ein Alkoholverbot durchzusetzen. Bild: dpa

Weil die Beschuldigten auf freiem Fuß sind, hat ein Unbekannter auf Instagram Fotos und Namen von mutmaßlichen Tätern in einem Vergewaltigungsfall veröffentlicht. Eine Petition fordert zudem ein „sofortiges Verfahren“. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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          Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen den Betreiber eines Instagram-Accounts, auf dem Namen und Fotos von angeblichen Verdächtigen in einem Vergewaltigungsfall veröffentlicht wurden. Das Verfahren gegen Unbekannt sei zunächst wegen Beleidigung eingeleitet worden, sagte eine Sprecherin. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Am Dienstagmittag wurden die Bilder von dem Account gelöscht, offenbar vom Betreiber selbst.

          Die auf dem Account gezeigten Männer sollen einer Gruppenvergewaltigung im Hamburger Stadtpark im September 2020 beschuldigt worden sein. Eine Fünfzehnjährige hatte damals mit Freunden gefeiert, sie jedoch aus den Augen ver­loren. Auf der Suche nach ihnen stieß sie auf eine Gruppe von Jugendlichen, die sie in ein Gebüsch geführt und dort vergewaltigt haben sollen.

          Petition fordert „sofortiges Verfahren“

          Dem Online-Pranger scheint in der vergangenen Woche ein Bericht der Bild-Zeitung vorausgegangen zu sein, in dem es unter anderem darum ging, dass die Beschuldigten in dem Fall derzeit alle auf freiem Fuß sind. Das Profilbild des Accounts zeigt einen Screenshot des Artikels. Der Account verwendete teilweise dieselben Fotos der mutmaßlichen Täter, die auch bei Bild zu sehen sind, allerdings ohne Unkenntlichmachung und unter Nennung der vollen Namen. Wie die Zeitung am Dienstag berichtete, wurde in den Kommentaren des Instagram-Accounts und in einem Telegram-Chat zu Gewalttaten gegen die Männer aufgerufen.

          In einer am Donnerstag gestarteten Online-Petition werden zudem ein „sofortiges Verfahren“ sowie „die Ver­öffent­lichung der Gesichter der Täter“ gefordert. In der Petition werden die mutmaßlichen Täter als „Wildtiere“ bezeichnet, die „nicht frei unter Menschen“ gehörten. Bis Dienstagnachmittag unterschrieben mehr als 9200 Menschen. Ob die Petition und der Instagram-Account in Verbindung stehen, ist unklar.

          Wie die Staatsanwaltschaft Hamburg am Dienstag mitteilte, steht ihr Ermittlungsverfahren in dem Vergewaltigungsfall „kurz vor dem Abschluss“. Insgesamt elf Beschuldigte seien ermittelt worden, die heute zwischen 17 und 21 Jahre alt sind. Die sichergestellten Spermaspuren habe man neun von ihnen zuordnen können. Die abschließende Bewertung der Ermittlungsergebnisse stehe noch aus. Gegen einen der Verdächtigen sei Haftbefehl erlassen worden, der jedoch außer Vollzug gesetzt wurde. „Von der Beantragung weiterer Haftbefehle ist abgesehen worden, weil die Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen“, so die Sprecherin. Der Gesetz­geber sehe hierfür neben dem dringenden Tatverdacht einen Haftgrund vor, etwa Flucht- oder Verdunklungsgefahr. Fehle eine der beiden Voraussetzungen, komme U-Haft nicht in Betracht. Gerade bei Jugendlichen seien zudem die besonderen Belastungen zu berücksichtigen.

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