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Berlin : Haftstrafe für tödliche Messerattacke am Alexanderplatz

  • Aktualisiert am

Der Alexanderplatz im August 2014 Bild: dpa

Vor einem halben Jahr wollte ein 30 Jahre alter Bademeister auf dem Berliner Alexanderplatz einen Streit schlichten. Ein Achtzehnjähriger rammte ihm ein Messer in die Brust, er verblutete. Nun ist das Urteil gefallen.

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          Für einen tödlichen Messerangriff auf einen Unbekannten am Berliner Alexanderplatz ist ein Neunzehnjähriger zu knapp acht Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts rammte der junge Angreifer im Sommer 2014 seinem 30 Jahre alten Opfer eine lange Klinge in die Herzgegend. Der Bademeister, der einen Streit hatte schlichten wollen, verblutete. Am Montag verurteilte das Landgericht den Täter wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren und acht Monaten Haft. Täter und Opfer hatten sich nicht gekannt.

          Es sei eine Tat ohne erkennbaren Anlass, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Nowak. Der Fall zeige, welche schweren Folgen es haben könne, „wenn junge Männer mit Messern unterwegs sind, unter Drogen stehen und eine niedrige Reizschwelle haben“. Vor dem Stich am Nachmittag des 24. August habe das Opfer einen Streit schlichten wollen, den der Jugendliche mit einer ihm fremden Frau gesucht habe. Als Begleiter der Frau habe der Bademeister deeskalieren wollen.

          Rund um den Alexanderplatz in der Mitte Berlins kommt es immer wieder zu brutaler Gewalt. 2012 wurde in der Nähe des Platzes im Stadtzentrum Jonny K. niedergeprügelt. Der Zwanzigjährige starb kurz danach. Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus.

          Angeklagter hatte zuvor nächtelang nicht geschlafen

          Das Gericht sprach in diesem Fall von einer „Spontantat mit bedingtem Tötungsvorsatz“. Das Tatmotiv sei unklar geblieben. Der Angeklagte habe sich möglicherweise gedemütigt gefühlt. Weil er nächtelang nicht geschlafen und Drogen konsumiert hatte, habe der Täter die „tatsächliche Situation nicht richtig reflektiert“. Das Gericht ging von verminderter Schuldfähigkeit aus.

          Anders als die Staatsanwaltschaft sahen die Richter keine Heimtücke: Ein bewusstes Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers sei nicht festgestellt worden. Die Anklage hatte neun Jahre Jugendstrafe wegen Mordes verlangt. Man werde Rechtsmittel prüfen, sagte ein Anklage-Vertreter. Die Verteidigerin des Neunzehnjährigen, der teilgeständig war, hatte maximal sechs Jahre Haft gefordert.

          Für die Familie des Getöteten sagte Anwalt Roland Weber, die Tat sei Ergebnis einer langen Fehlentwicklung – der vorbestrafte Mann sei jahrelang vom Jugendamt betreut worden. „Wenn deutlich früher klare Zeichen gesetzt worden wären, wäre es nicht so weit gekommen.“

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