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Im Corona-Jahr : Häusliche Gewalt nahm in Berlin 2020 zu

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Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sprach von einem „signifikanten Anstieg häuslicher Gewalt“. Bild: dpa

Die häusliche Gewalt vor allem gegen Frauen und Kinder hat in Berlin 2020 zugenommen. An die Berliner Gewaltschutzambulanz haben sich im vergangenen Jahr 1661 Betroffene gewandt.

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          Die häusliche Gewalt vor allem gegen Frauen und Kinder hat in Berlin im Corona-Jahr 2020 nach Angaben der Senatsverwaltung für Justiz zugenommen. Bei den Strafverfolgungsbehörden, der Amts- und Staatsanwaltschaft, sei die Zahl um 1035 Fälle gestiegen. So habe es 2019 14.824 Strafverfahren zu häuslicher Gewalt in der Hauptstadt gegeben, 2020 seien es 15.871 Verfahren gewesen. Das entspreche einem Anstieg von 7,5 Prozent. Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sprach von einem „signifikanten Anstieg häuslicher Gewalt“ aufgrund des Lockdowns wegen der Corona-Pandemie.

          An die Berliner Gewaltschutzambulanz haben sich demnach im vergangenen Jahr 1661 Betroffene gewandt. Das entspreche einem Anstieg um acht Prozent. Die Gewaltschutzambulanz untersucht zunächst ohne Kontakt zu Polizei und Justiz Betroffene und dokumentiert Verletzungen rechtsmedizinisch, um sie für mögliche Strafverfahren gerichtsfest zu machen. Zudem bietet sie Beratung an. Die Fallzahlen seien während des Lockdowns zurückgegangen, weil weniger Menschen Hilfe suchten. Mit den Lockerungen habe es einen deutlichen Anstieg gegeben, weil wieder mehr Betroffene gekommen seien, teilte die Leiterin der Gewaltschutzambulanz, Saskia Etzold, mit.

          Dem scheinbar eindeutigen Bild der Zunahme häuslicher Gewalt entspricht allerdings nicht die Entwicklung an den Berliner Familiengerichten. Dort wurde eine Abnahme der Gewaltschutzsachen um 322 Fälle verzeichnet. Hatte es im Jahr 2019 noch 2745 Verfahren gegeben, so waren es im vergangenen Jahr 2423. Man vermute, dass von Gewalt betroffene Frauen in Zeiten des Lockdowns die Einleitung von Verfahren vor den Familiengerichten vermieden hätten, die dazu geführt hätten, dass der Gewalt ausübende Mann nicht mehr die Wohnung hätte betreten dürfen, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz der F.A.Z.

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